Kolumne

Den Sohn in die Welt schicken

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Mein älterer Sohn ist für ein Jahr weg, nach Australien abgereist. Loslassen ist wichtig, kann aber ganz schon weh tun

Derzeit werden wieder die Erstklässler eingeschult. Für Eltern und Kinder ist das ein riesiger Schritt, die reine Kuschelzeit ist vorbei, es geht nun in die Selbstständigkeit. Ich habe damals vor zwölf Jahren im August eine Kolumne über die Einschulung meines ältesten Sohnes geschrieben, mir Gedanken über die Veränderungen unseres und seines Lebens gemacht, mich etwas wehmütig an die Kleinkindzeit erinnert. Damals schrieb ich: „Wer bereitet Eltern darauf vor, dass jetzt eine ganz neue Ära anbricht? Niemand. Damit müssen wir alleine fertigwerden.“ Jetzt geht es mir genauso, ich muss lernen, meinen Erstgeborenen loszulassen. Darauf kann man sich nicht vorbereiten, auch wenn wir seit Monaten darüber sprechen, ich alle Flüge für ihn gebucht habe und wir uns gemeinsam eine Route überlegt haben.

Jetzt ist er weg, nicht zum Freiwilligen Sozialen Jahr nach Kiel oder Lübeck wie andere Kinder. Sondern er reist einmal um die Welt. Am Donnerstag ist er zu seinem „Work and Travel“-Jahr aufgebrochen.

Ich bin mir sicher, dass es die Erfahrung seines Lebens wird und ein Sohn ist ja noch im Haus. Doch was nützt alle Ratio, wenn das Herz schmerzt.