Kolumne

Die liegenden Söhne

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Nicht geschlossene Kreise, meist in der Horizontalen, ständig am Smartphone – das Buch von Michele Serra könnte exakt in unserem Haus spielen.

Im Urlaub haben mein Mann und ich ein wunderbares Buch gelesen, es heißt „Die Liegenden“. Darin beschreibt Michele Serra seinen 18 Jahre alten Sohn, der am liebsten auf dem Sofa, also horizontal, seine Tage verbringt, Kopfhörer aufhat und ständig per Smartphone mit aller Welt – außer mit dem Vater – verbunden ist. Uns kam der Verdacht, dass der Autor zuvor bei uns eine Kamera installiert hat – denn so ähnlich ist es auch mit unseren Söhnen. Jede noch so banale Whats-App-Nachricht eines Altersgenossen wird sofort beantwortet, ich habe hingegen Tage auf eine Nachricht unseres verreisten Kindes gewartet. Besonders ignorant sind die Jungs bei Haushaltsaufgaben, die per Smartphone von uns verschickt werden. Sie lesen sie einfach nicht oder haben sie direkt nach dem Empfang vergessen, weil gerade ein spannendes Instagram-Video über den neuesten Trick des Kumpels reinkam.

Seit der Buchlektüre spricht mein Mann ständig über „nicht geschlossene Kreise“, wenn er abends in die Küche kommt – so hat Serra die Tatsache beschrieben, dass sein Sohn nicht fähig ist, Schubladen und Küchentüren nach Gebrauch auch wieder zuzumachen. Kennen Sie das auch?