Ehrenamt für Senioren

„Das beste Rezept gegen Einsamkeit“

Die Ehrenamtliche Marion Bamba Oyewusi kümmert sich um Pflegebedürftige wie Wilma Kloss (89) im Kursana Pflegeheim Billstedt.

Die Ehrenamtliche Marion Bamba Oyewusi kümmert sich um Pflegebedürftige wie Wilma Kloss (89) im Kursana Pflegeheim Billstedt.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Marion Bamba Oyewusi liebt ihr Ehrenamt im Kursana Domizil Billstedt. Sehr viele Pflegeeinrichtungen in Hamburg suchen dringend Freiwillige

Es sind vor allem die Wochenenden, an denen sich Marion Bamba Oyewusi manchmal einsam fühlt. „Sonntags unternehmen meine Freundinnen immer etwas mit ihrem Partner oder ihrer Familie“, sagt die 59-Jährige, deren zwei Kinder seit vielen Jahren aus dem Haus sind. „Allein mache ich mich nicht gern zu einem Spaziergang auf, sondern bleibe mit meinem Kater auf der Couch sitzen. Doch seit ich mein Ehrenamt habe, komme ich wieder unter Menschen. Es ist ein schönes Gefühl, wieder gebraucht zu werden. Und das beste Rezept gegen Einsamkeit.“ Immer sonntags kehrt die ehemalige Mitarbeiterin der sozialen Betreuung, die vor ihrer Erkrankung im Kursana Domizil Billstedt gearbeitet hat, für zwei Stunden an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Marion Bamba Oyewusi geht mit Bewohnern, die im Rollstuhl sitzen, spazieren oder unterhält sich mit bettlägerigen Senioren, die keinen Besuch von Angehörigen bekommen. Manchmal liest sie ihnen auch vor oder übernimmt kleine Aufträge für die Besorgung von persönlichen Dingen. „Die Freude der alten Menschen zu erleben, ist etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Dann merke ich immer, wie sehr mir meine frühere Arbeit fehlt.“

Möglichkeit für eine Besuchspatenschaft

Gerade im Bereich der Seniorenbetreuung werden viele Ehrenamtliche gesucht, sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch im Privatbereich. So stiftet zum Beispiel der Verein „Freunde alter Menschen“ Besuchspartnerschaften zwischen Jung und Alt, bei denen Freiwillige mindestens einmal im Monat einen älteren Menschen zu Hause besuchen, um sich auszutauschen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen. Idealerweise entwickelt sich daraus eine Vertrauensbeziehung. „Es sind keine besonderen Kenntnisse vonnöten, man sollte jedoch wertschätzend und geduldig mit älteren Menschen umgehen können. Die Besuche sollten kontinuierlich und über einen Zeitraum von einem Jahr stattfinden“, sagt Simone Sukstorf vom Verein.

Auch das Diakonische Werk in Hamburg sucht dringend Menschen, die Bewohner in den Diakonie-Seniorenheimen besuchen. „Wir haben immer mehr Alte, gleichzeitig immer weniger Pflegekräfte, die dadurch noch weniger Zeit für Gespräche haben. Genau dafür benötigen wir Freiwillige“, sagt Christina Huber, Referentin für Freiwilligenengagement bei der Diakonie. Auf deren Webseite sind rund 30 Pflegeheime, Seniorentreffs und -zentren aufgelistet, die Ehrenamtliche suchen. Huber (38) erzählt von einer berührenden Begegnung mit einer alten Frau, die ihr kummervoll verriet, dass sie niemanden mehr kenne, der sie mit dem Vornamen anspreche. „Jeder braucht doch einem Menschen, mit dem er auch mal ein lockeres oder vertrauensvolles Gespräch führen kann“, sagt Huber.

Das eigene Hobby mit dem Ehrenamt verbinden

Nicht alle müssten sich regelmäßig engagieren, manchmal reiche es auch, ab und zu einen Ausflug zu begleiten. „Auch kann man wunderbar das eigene Hobby mit einem Besuch verbinden“, sagt die Freiwilligenberaterin und gibt als Beispiel gemeinsames Fußballschauen im Fernsehen an. Im Tagespflegehaus Alten Eichen in Stellingen wird derzeit eine Modelleisenbahn aufgebaut. „Da suchen wir Männer, die sich einbringen.“ Diese können sich auch als Tanzpartner in einer Diakonie-Einrichtung in Altona zur Verfügung stellen, die regelmäßig Tanzcafés für Bewohner und Ehrenamtliche organisiert. „Sich engagieren bringt viel Freude, man erfährt andere Lebensgeschichten und nimmt mal einen Perspektivwechsel vor“, sagt Christina Huber.

Den kennt auch Marion Bamba Oyewusi. Sie hat 35 Jahre im Einzelhandel gearbeitet und war zum Schluss Filialleiterin in einem Jeansladen, als das Unternehmen insolvent wurde. Durch die Pflege ihrer Eltern konnte sie sich eine Beschäftigung mit Senioren gut vorstellen und machte 2010 eine Ausbildung zur Betreuungskraft in einer Pflegeeinrichtung. Im Billstedter Domizil unterstützte sie bald die Ergotherapeutin bei der Teamführung und fühlte sich „wie eine Mama für viele Bewohner und Kollegen“. Ihre Erkrankung zwang sie, die Arbeitsstunden immer weiter zu reduzieren und schließlich die Erwerbsminderungsrente zu beantragen. „Das Ehrenamt kommt mir entgegen, weil es mich nicht dazu verpflichtet, regelmäßig Aufgaben zu übernehmen. Ich bleibe flexibel und kann doch meine Stärken im Kontakt zu anderen Menschen einbringen.“

Menschen gesucht, die andere glücklich machen möchten

Direktor Kris Siegers liegt am Herzen, weitere ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen. „Im Prinzip kann sich jeder einbringen – sei es als Vorleser, als Begleiter für einen Spaziergang oder Leiter eines Spielkreises, einer Bastel- oder Kochgruppe. Manch einer oder eine freut sich auch einfach daran, hier mit den Bewohnern zu musizieren oder einen Vortrag über eine Reise zu halten. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt“, erläutert er. „Wir suchen Menschen, die andere glücklich machen wollen und dafür selbst auch viel Freude und Dankbarkeit ernten werden.“

Diese Institutionen suchen Ehrenamtliche

Kursana Domizil Billstedt:
Wer Lust und Zeit hat, sich um ältere Menschen zu kümmern, kann sich bei Direktor Kris Siegers melden. Kontakt über Telefon 71 48 64 00 oder E-Mail: kursana-billstedt@dussmann.de

Freunde alter Menschen e. V. hat ein Besuchsprogramm für Senioren zu Hause und sucht dafür jüngere Engagierte. Der nächste Infoabend ist am 12.8. um 18.30 Uhr in der Hinrichsenstraße 34. Tel. 18 07 68 84, www.famev.de

Der Besuchsdienstkreis der Maria-Magdalena-Kirchengemeinde am Osdorfer Born sucht Verstärkung. Pastor Mathias Dahnke, Tel. 84 07 95 99, E-Mail. dahnke@maria-magdalena-kirche.de

Bei der Diakonie Hamburg berät Christina Maria Huber potenzielle Ehrenamtliche, die sich um Senioren in den Pflegeeinrichtungen kümmern möchten. Am
13.8., 16–19 Uhr, gibt es einen Workshop zum Thema: Welches Engagement passt zu mir? Anmeldung per E-Mail: huber@diakonie-hamburg.de, Tel.: 30 62 02 14. Auf der Diakonie-Webeseite gibt es Einrichtungen, die Freiwillige suchen: www.diakonie-hamburg.de/de/freiwillig/freiwillig-engagiert/freiwillig_einsatzbereiche/Seniorinnen-und-Senioren-00001

Ein neuer Kurs für ehrenamtliche Musikpaten, die mit dementen Senioren singen und musizieren möchten, startet am 14. September. Interessierte haben zudem die Möglichkeit, bei aktiven Musikpaten zu hospitieren und sich selbst ein Bild zu machen. Informationen unter: musikpaten@hamburgische-bruecke.de, Tel. 460 21 58.