Pflegeeltern

Mütter und Väter für das SOS-Kinderdorf in Dulsberg gesucht

„Willst Du sechs Kinder mit mir?“ – damit wirbt das SOS-Kinderdorf  um neue Kinderdorf-Mütter und Väter.

„Willst Du sechs Kinder mit mir?“ – damit wirbt das SOS-Kinderdorf um neue Kinderdorf-Mütter und Väter.

Foto: sos kinderdorf

Die Einrichtung wird zwar erst 2021 öffnen, aber schon jetzt sucht die Organisation Männer und Frauen, die Eltern auf Zeit werden möchten

„Willst Du 6 Kinder mit mir?“ Dieser Satz springt Hamburger Passanten seit Mitte Juni an vielen Orten im Stadtgebiet ins Auge. Auf bunten Plakaten sind unter der Frage sechs Kinderschuhpaare abgebildet. Doch welche Familie will und hat heutzutage noch so viele Kinder? Das geht nur mit Eltern, die diesen Job in Vollzeit ausüben. Genau solche Mütter und Väter sucht das SOS-Kinderdorf für seine neue Einrichtung in Dulsberg – allerdings erst für das Jahr 2021. Der Grundstein für das Gebäude direkt an der Ecke Straßburger und Weißenburger Platz wird am 4. September dieses Jahres gelegt. „Wir starten mit dieser Kampagne unsere Suche nach Bewerbern lieber rechtzeitig, damit die vier Familien mit jeweils sechs zu betreuenden Kindern nach Fertigstellung der Wohnungen direkt dort einziehen können“, sagt Torsten Rebbe (50), Chef von SOS-Kinderdorf Hamburg.

Die etwa 270 Quadratmeter großen Wohnungen für die Kinderdorffamilien werden im Neubau „Hafen für Familien“ bereitgestellt. Außerdem sollen ein Familienzentrum mit Café, ein Kinderkleiderladen sowie Beratungs- und Kursräume eingerichtet werden. Für die im Hamburger Stadtgebiet erstmals entstehenden SOS-Kinderdorf-Wohnungen sei es höchste Zeit, sagt Diplompädagoge Rebbe, denn „Kinder sollten möglichst dort leben, wo sie bisher ihre Freunde, Schule oder den Sportverein haben. Auch wollen wir Geschwisterkindern die Möglichkeit geben, gemeinsam in einer unserer Familien aufzuwachsen. Diese großen Wohnungen, eingebettet in einen gewachsenen Hamburger Stadtteil, sind für uns wie ein Sechser im Lotto.“

In erster Linie sind ausgebildete Erzieher dafür geeignet

SOS-Kinderdorfmütter oder -väter stehen Kindern und Jugendlichen längerfristig in deren schwierigen Lebenssituationen zur Seite. In erster Linie sind ausgebildete Erzieher dafür geeignet, ein Quereinstieg mit einer dreijährigen Ausbildung vonseiten des Vereins SOS-Kinderdorf ist auch möglich. Eine wichtige Voraussetzung für diese Tätigkeit ist Lebenserfahrung, die SOS-Eltern müssen einen eigenen Haushalt führen können und noch mindestens eine Generation – also 15 bis 20 Jahre – vom Ruhestand entfernt sein.

Die meisten SOS-Kinderdorf-Kinder haben Eltern, die aus psychischen Gründen mit ihrer Versorgung überfordert waren. „Ich habe aber bei allen Müttern das Gefühl, sie haben ihre Kinder lieb“, sagt eine Kinderdorfmutter, „sie kriegen die Erziehung nur im Alltag nicht hin.“ Es sind also keine Waisenkinder und der Kontakt zu den leiblichen Eltern wird in der Regel gewünscht und gefördert.

Kinderdorffamilien nehmen Jungen und Mädchen bis zu einem Alter von zwölf Jahren auf, sie bleiben dort für durchschnittlich sieben Jahre. So unterschiedlich wie Menschen seien auch die SOS-Kinderdorf-Familien, sagt Rebbe, die einen sehr strukturiert, andere chaotischer, aber dann oft sehr kreativ. Er wünscht sich vor allem Bewerber, bei denen „eine Liebe für Kinder da ist, denn sie haben die Aufgabe, ein warmes Nest zu bauen“.

Ehepartner und eigene Kinder sind willkommen

Dabei werden die SOS-Kinderdorf-Mütter und -Väter in allen Bereichen unterstützt von einem Mitarbeiterteam. Die Vergütung ist höher als die übliche für Erzieherinnen, Fortbildung und Supervision werden bei dieser Arbeit großgeschrieben. In einer Partnerschaft oder Ehe lebende Anwärter sind ebenfalls willkommen, auch ein eigenes Kind ist kein Hindernis, denn Familienangehörige dürfen in Kinderdorffamilien wohnen. Die Kinderdorf-Eltern sollen es als Gewinn erleben, dass Arbeit und Privates miteinander verbunden sind. „Unsere Mütter und Väter sind ganz besondere Menschen, vor denen ich höchsten Respekt habe“, sagt Torsten Rebbe, der selbst zwei Kinder im Alter von elf und 19 Jahren erzieht. „Diese Arbeit ist eher Berufung als Beruf.“