Beratung

Bevor die Lage eskaliert: Hilfe für Eltern behinderter Kinder

Die Ombudsfrauen Renate Wiegandt, Birgit Zeidler, Petra Demmin und Dagmar Uenzelmann von der Stelle Inklusive Bildung

Die Ombudsfrauen Renate Wiegandt, Birgit Zeidler, Petra Demmin und Dagmar Uenzelmann von der Stelle Inklusive Bildung

Foto: Holger Kern

Einzigartig in Deutschland: Die Ombudsstelle Inklusive Bildung bietet Unterstützung bei Fragen zu sonderpädagogischer Förderung

Damit hatte Familie Klaasen (Namen geändert) nicht gerechnet: Kurz vor den Ferien stellte sich heraus, dass die Grundschule ihren Sohn Marius (6) in dieser freien Zeit nicht betreuen würde. Denn der Erstklässler ist schwerbehindert und braucht spezielle Aufsicht und Hilfe. Die berufstätigen Eltern hatten sich jedoch auf die Betreuung in der Schule verlassen. „Alle reden über Inklusion, aber sie funktioniert eben oft nicht“, sagt die Mutter Ingrid Klaasen. Auch ihr Antrag für Marius’ Unterbringung in der Schule seines Bruders wurde mit Hinweis auf die Behinderung abgelehnt. „Ich war nach weiteren Versuchen und dem Hin und Her nervlich am Ende, da hörte ich von der Ombudsstelle Inklusive Bildung“, sagt Klaasen.

Sie informierte sich dort, danach ging alles ganz schnell: Eine Betreuung wurde organisiert – und Marius geht inzwischen auch auf eine Schule, die seinen Bedürfnissen mehr entspricht. „Das ist Frau Zeidler von der Ombudsstelle und Frau Ehlers von der Stabsstelle Inklusion zu verdanken. Sie haben sogar am Sonnabend Telefonkonferenzen abgehalten, um uns zu helfen. Sie handelten sehr schnell und effektiv“, sagt Ingrid Klaasen. „Hätte ich schon früher von dieser Hilfsmöglichkeit gewusst, wäre uns der große Stress erspart geblieben.“

Die Ehrenamtlichen helfen vertraulich und kostenfrei

Die Ombudsstelle Inklusive Bildung der Hansestadt bietet Eltern und Schülern Hilfe und Unterstützung bei Fragen zur sonderpädagogischen Förderung an. Die vier ehrenamtlichen Ombudsfrauen (Ombudsleute sind unparteiische Schiedspersonen) beraten, vermitteln und helfen bei Widerspruchsverfahren. Diese kostenlose und vertrauliche Beratung ist ein Element im Konzept „Inklusive Bildung an Hamburger Schulen“, das die Bürgerschaft im Juni 2012 beschlossen hat.

Birgit Zeidler, die Familie Klaasen zur Seite stand, war Oberschulrätin. „Die Eltern kommen meist zu uns, wenn alles schiefgelaufen ist“, sagt die 77-Jährige, „wir sprechen dann mit allen Beteiligten – und wenn wir nicht weiterkommen, kommt Frau Ehlers weiter.“ Dr. Angela Ehlers (64) leitet die Stabsstelle Inklusion/Sonderpädagogik bei der Behörde für Schule und Berufsbildung und hat die nötigen Kontakte im schulpolitischen Bereich. „Wir haben mit Lebenssituationen zu tun, bei denen sich vieles verhakt hat“, sagt sie, „die Eltern haben meist schon genug Sorgen wegen ihres Kindes, da können die Emotionen schnell hochgehen.“

Eine frühe Beratung ist wichtig für die Schullaufbahn

Anfragen von Eltern und Schülern kommen aus allen Schulformen von der Förderschule bis zur Berufsschule. Häufig wirkt sich eine frühzeitige Beratung positiv auf die gesamte Laufbahn eines Kindes aus. Denn Schüler mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und/oder Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung haben einen Anspruch auf einen Nachteilsausgleich, der sie in die Lage versetzen soll, durch Hilfestellungen den Anforderungen der Schule gerecht zu werden. Bei einer Lese-Rechtschreibschwäche kann dies zum Beispiel mehr Zeit bei Prüfungen sein.

Zu den Beratungen in der Ombuds­stelle gehören auch Fälle, in denen eine Behinderung neu entstanden ist – wie durch Operationen oder Unfälle. Hamburg ist mit seinem Angebot von drei Ombudsstellen – es gibt noch eine für „Besondere Begabungen“ und für „Schülervertretungen, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“ – einzigartig in Deutschland.

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