Start-Up-Projekt

Eine App für bessere Gespräche

Jessica Blehm hat eine App entwickelt mit dem Titel: „Next Level Talk"

Jessica Blehm hat eine App entwickelt mit dem Titel: „Next Level Talk"

Foto: Michael Rauhe

Ursprünglich hatte Jessica Blehm ein Kartenspiel entworfen, um mit ihrer schizophrenen Mutter zu kommunizieren. Jetzt ist es ein Start-up-Projekt

Wenn Freunde oder Bekannte von Jessica Blehm bei einem Treffen ihr Smartphone herausholen, hört die Kommunikation untereinander nicht auf, sondern geht erst richtig los. Denn die 17-Jährige hat die App „Next Level Talk“ entwickelt – ein Gesprächsspiel, das in psychologische und philosophische Tiefen führen kann. Genauso sorgt es aber auch für Heiterkeit in der Runde, wenn ein Spieler die Aufgabe bekommt, die anderen 30 Sekunden lang anzugrinsen.

Ursprünglich hatte Jessica Blehm eine Art Kartenspiel entworfen, mit dem Ziel, ihre an Schizophrenie erkrankte Mutter besser zu verstehen. „Ich wollte endlich mit Mama sprechen und ihre Mauern durchbrechen“, sagt sie. Dafür schrieb sie Fragen auf, ergänzte für mehr Spaß und Abwechslung Aufgaben und Zitate. „Wenn ich durch die Stadt laufe, was zaubert mir am leichtesten ein Lächeln ins Gesicht?“, ist eine der Fragen, „Nimm eine Sprachnachricht auf deinem Handy auf, die sich an dein zehn Jahre älteres Ich richtet“, eine Aufgabe, „Der Mann mit einer neuen Idee ist ein Spinner, bis diese sich als erfolgreich erweist“ ein Zitat (von Mark Twain). Reihum wird in dem „Team“ vorgelesen, wobei das T für Tanz steht, also im Moment Spaß zu haben, E für die Ehrlichkeit zu sagen, was als Erstes in den Sinn kommt, A für Aufmerksamkeit und M dafür, andere Meinungen zu respektieren.

Das Spiel tat der ganzen Familie gut

Ihrer Beziehung zur Mutter tut das Spiel gut, auch dem Vater und dem älteren Bruder Christian gefiel es von Beginn an. Gleich der erste Versuch am Küchentisch veränderte viel im Familiengefüge. „Wir haben lange nicht so herzlich miteinander gelacht“, sagt die Auszubildende zur Kauffrau für Marketingkommunikation. „Und es kamen mir wieder Tränen, doch diesmal aus Freude.“ Endlich war sie einmal durchgekommen zu ihrer Mutter, die vorher meist abweisend wirkte und kaum Gefühle zeigen konnte. Als Kind fühlte sich Jessica Blehm oft, als seien die Rollen vertauscht: Sie sorgte für ihre Mutter und versuchte die Krankheit vor Freunden und Lehrern zu verbergen. Dafür hatte sie eine gute Ausrede, denn die Familie war aus Kasachstan nach Deutschland gezogen. Die Vorfahren waren ehemals dorthin aus Deutschland ausgewandert. So erklärte sie immer, die Mutter könne kein Deutsch. Das alles war sehr belastend für die Tochter. Doch diese Herausforderungen haben Jessica Blehm selbstbewusst und „kreativ gemacht und mich zum Umdenken angeregt“.

Die App weckt Interesse am „wahren Gegenüber“

Ihrem Bruder ist sie auch nähergekommen, der 19-Jährige unterstützt sie sehr bei ihrem Projekt, fährt sie überallhin. Die junge Frau ist schon gut aufgestellt in punkto Kommunikation, kennt sich aus in Social Media und macht mit bei einem Start-up-Wettbewerb. Viele hätten heute große Schwierigkeiten, sich zu öffnen, hat sie beobachtet. Das möchte sie verändern. „Meine App ist ein Gesprächsmoderator, sie soll Impulse geben, Themen vorschlagen und Menschen so miteinander in tiefgründige Gespräche bringen und Interesse am „wahren Gegenüber“ wecken. Und wo sieht sie sich in fünf Jahren? „Dann habe ich meine für 2021 geplante Weltreise schon hinter mir und mit hoffentlich vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern Next Level Talk gespielt.“

Die App kann kostenlos auf Android-Geräte heruntergeladen werden