Obdachlosenhilfe

Vorbildliche Aktion: 3000 „Plätzchen für dich“

Schüler der Irena-Sendler-Stadtteilschule backen Kekse

Schüler der Irena-Sendler-Stadtteilschule backen Kekse

Foto: Martina van Kann

Schüler und Lehrer der Irena-Sendler-Schule backten für die Straßenverkäufer von „Hinz&Kunzt“

Es gibt in Hamburg ein ganz besonderes Monatsmagazin: „Hinz&Kunzt“ wird von Obdachlosen, Wohnungslosen, Ex-Obdachlosen und anderen Menschen in prekären Lebenslagen auf der Straße verkauft. Das funktioniert schon seit Jahren, und so konnte „Hinz& Kunzt“ trotz der Krise im Printjournalismus zu Deutschlands auflagenstärkstem Straßenmagazin wachsen und in diesem Jahr bereits seinen 25. Geburtstag feiern. Und selbstverständlich feierte das Magazin wie in jedem Jahr mit seinen rund 500 Straßenverkäufern auch Weihnachten – so wie am vergangenen Dienstag in der festlich eingedeckten Fischauktionshalle am Hafen. Bekannte Gesichter aus der Hamburger Gesellschaft übernahmen den Service und jeder Gast fand auf seinem Teller auch ein Tütchen mit Weihnachtskeksen, liebevoll verpackt und individuell beschriftet, eben „Plätzchen für dich“.

Für eine Großbäckerei wäre es selbstverständlich ein Klacks, mal eben rund 3000 Weihnachtskekse zu backen. Doch in diesem Fall entstanden die Rahmringe, Mandelhörnchen, Nougatnüsse, Kokostaler und Chocolate Chips Cookies (die Zutaten spendete die Hamburger August Töpfer GmbH) in der Lehrküche der Irena-Sendler-Stadtteilschule in Wellingsbüttel in echter Handarbeit: vom Kneten des Teiges übers Backen bis zum Verzieren und Verpacken der Plätzchen in kleine Tüten und Beschriften der Anhänger.

„Alle Beteiligten über mehrere Wochen unter einen Hut zu kriegen ist schon so etwas wie eine logistische Meisterleistung. Gleichzeitig ist dieser Keksbackmarathon aber auch eine echte Herzensangelegenheit“, sagt Sonja Allmaras-Bayerl, die für die Hamburger „Frauen in Verantwortung“ spricht, ein Frauen-Netzwerk für soziale und gesellschaftliche Projekte, das diese Weihnachtsbäckerei für die „Hinz&Kunzt“- Verkäufer im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben hatte.

Damals noch mit einer Hamburger Gewerbeschule, die jedoch drei Wochen vor dem geplanten Backtermin plötzlich abgesagt hatte. „Zum Glück sprang die Irena-Sendler-Schule ein“, sagt Sonja Allmaras-Bayerl, „und obwohl es am Ende wegen der knappen Zeit ein wenig knirschte, hatten die Schüler am Ende die 500 Keks-Tütchen doch noch rechtzeitig fertig.“

In diesem Jahr hätten die Planungen deshalb schon im September begonnen, sagt Hille Flemming, die seitens der Irena-Sendler-Stadtteilschule für die Koordination der Aktion mitverantwortlich ist, „und so wussten dann auch alle Bescheid.“

Alle, das heißt die Jahrgangsstufen fünf bis elf sowie knapp 100 Lehrer und nicht zuletzt auch viele Eltern. „Als Lehrerin hat es mich berührt, dass einige Mütter daheim spontan mitgebacken haben, als wir fürchteten, die Zeit könnte doch nicht reichen. So lernen die Kinder, dass nicht immer alles nach Plan geht. Sie merken, dass man auch mal etwas freiwillig machen kann und dass das viel Spaß bringt.“

„Unsere Schule ist nach der polnischen Sozialarbeiterin Irena Sendler benannt, die während des Warschauer Ghettos 1942 unter Lebensgefahr Tausende jüdischer Kinder vor dem Tod bewahren konnte“, sagt Schuldirektor Dr. Matthias Greite, „deshalb genießen solche sozialen Projekte und aktives soziales Lernen in unserem Lehrplan traditionell einen besonders großen Stellenwert, der unseren Schülern darüber hinaus eine hohe Identifikation mit der Schule ermöglicht. Im nächsten Jahr sind wir deshalb wieder dabei.“