Unterstützung

Ablenkung und Zuwendung für Kranke

Die Ehrenamtliche Jutta Block besucht die Patientin Claudia M.

Die Ehrenamtliche Jutta Block besucht die Patientin Claudia M.

Foto: Klaus Bodig / HA

Im UKE werden dringend Ehrenamtliche gesucht, die Patienten begleiten und aufmuntern

Am Ehrenamtstresen in der Eingangshalle des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) klingelt das Telefon. Jutta Block nimmt ab, hört zu und sagt: „Ja, das mache ich gern.“ Die 61 Jahre alte Kauffrau fährt die Rolltreppe hoch in den ersten Stock zur „Shoppingmeile“. Dort kauft sie eine Zeitschrift und eilt gleich weiter auf Station. Sie klopft an die Tür von Zimmer 13 und übergibt die Illus­trierte an Claudia M. Die Patientin lächelt und sagt: „Das ging aber schnell, vielen Dank!“ Sie darf das Bett noch nicht verlassen und brauchte etwas Ablenkung: „Ich sagte zur Schwester, dass ich gern etwas Unterhaltung hätte. Es ist toll, wenn meine Wünsche mir so prompt erfüllt werden, ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben.“ Jutta Block fragt, wie es ihr geht, und lenkt das Gespräch dann auch auf andere Themen, die nichts mit der Krankheit zu tun haben. Die Atmosphäre ist fast freundschaftlich, pflegerische Tätigkeiten sind allerdings tabu.

„Die Ehrenamtlichen müssen professionelle Distanz wahren, auch wenn sie sich oft sehr mitfühlend und herzlich um die Patienten kümmern“, sagt Karin Plock (56). Sie ist Teamleiterin für alle Ehrenamtlichen am UKE. Es sind insgesamt 130 Männer und Frauen im Alter von 20 bis über 70 Jahren, darunter auch Bundesfreiwilligendienstler und junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen.

„Für das UKE sind die Ehrenamtlichen eine große Bereicherung“, sagt Karin Plock. Einkaufen und kleine Botengänge gehören ebenso zu ihren Aufgaben wie Gespräche und die Begleitung von Patienten und Angehörigen innerhalb des weit verzweigten Klinikums. „Wir helfen auch mit Kleidung aus“, sagt Ehrenamtskoordinatorin Katrin Kell (37), die eng mit Karin Plock zusammenarbeitet. „Wenn jemand in die Notaufnahme kommt und die Hose wegen einer Beinverletzung aufgeschnitten werden muss oder die Kleidung verdreckt ist von einem Sturz, stellen wir aus unserer Kleiderkammer etwas für den Patienten zusammen. Die eigene Kleidung lassen wir dann waschen. Das kommt auch oft vor bei obdachlosen Patienten.“ Und manchmal muss jemand schnell in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, kann somit vorher nicht mehr nach Hause, um etwas einzupacken. Deshalb braucht das UKE immer Kleiderspenden. Benötigt werden insbesondere Jogginghosen, T-Shirts, Sweatshirts und Strümpfe.

Die Ehrenamtliche Jutta Block, die seit einigen Monaten dabei ist und sich einmal in der Woche am UKE engagiert, begleitete vor Kurzem einen alten Herrn über das Gelände. „Er war zwar mit dem Bus hierhergekommen und ganz gut zu Fuß, ließ sich dann aber doch gern von mir mit dem Rollstuhl ins Herzzen­trum fahren“, erzählt sie. „Wir unterhielten uns angeregt, und dann verriet er mir, dass er schon 101 Jahre alt ist.“ Die Gespräche mit den Patienten schätzt Jutta Block am meisten, sie lerne dabei auch viel über Menschen aus anderen Kulturen.

Auch in der Notaufnahme sind die Ärzte und Schwestern froh über den Beistand der Ehrenamtlichen, denn sie selbst müssen sich auf die rein medizinische Behandlung konzentrieren. „Dabei ist gerade in Schocksituationen die menschliche Zuwendung so hilfreich“, sagt Karin Plock. „Unsere Ehrenamtlichen beruhigen die Patienten und geben ihnen die Sicherheit, dass sie in guten Händen sind. Sie sagen dann zum Beispiel: ,Ich gehe einmal hinaus und schaue nach, ob Ihre Familie schon da ist und Sie vielleicht sucht.‘“ Gerade in den heißen Sommerwochen habe die Anwesenheit von Ehrenamtlichen ausgleichend gewirkt, denn durch die Belastung der Hitze sei auch das Aggressionspotenzial der Erkrankten und Angehörigen stark erhöht gewesen.

Wie sich ein Ehrenamtlicher gegenüber Patienten verhalten sollte und was genau seine Aufgaben sind, wird in fortlaufenden Schulungen – beispielsweise von einer Demenzmentorin – vermittelt. „Wir informieren und vernetzen die Freiwilligen immer gut, auch untereinander, binden sie ein und besprechen einzelne Fälle“, sagt Koordinatorin Katrin Kell.

Für diese Arbeit sollte man volljährig und belastbar sein. In einem Vorgespräch wird die Motivation der Interessierten erfragt. Sie erhalte oft spontane Anfragen nur für die Weihnachtszeit, sagt Kell, und einige möchten bestimmte Tätigkeiten ausüben wie zum Beispiel Vorlesen. „Das können wir leider nicht so eingrenzen. Wir suchen Menschen, die regelmäßig Zeit haben und offen für die unterschiedlichen Tätigkeiten sind“, sagt sie. Einige würden sich auch überfordern, wenn sie Schicksalsschläge wie den Tod eines Angehörigen noch nicht verkraftet haben. Solche Freiwilligen könnten Gefahr laufen, vor einem Patienten selbst in Tränen auszubrechen, statt ihn zu stützen.

Deshalb bereiten Karin Plock und Katrin Kell ihre neuen Mitarbeiter sorgfältig auf das Ehrenamt vor und sind immer für sie ansprechbar. „Unsere Kostbarkeiten“, nennt Karin Plock die Ehrenamtlichen und schaut lächelnd zu Jutta Block, „nur mit ihnen ist über den Routinebetrieb hinaus diese zusätzliche Betreuung möglich.“

Das UKE sucht weitere Ehrenamtliche, um
alle Tage der Woche durchgehend besetzen zu können. Interessierte melden sich bitte
per E-Mail: ehrenamt@uke.de oder per
Telefon: 741 05 52 46.

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