Kolumne

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible

Oft treffe ich auf ältere Menschen, die weit nach 60 Jahren ein neues Liebesglück finden. Die Prioritäten sind oft unterschiedlich

Meine Schwiegeroma hat ihren Mann früh verloren und hatte so als 70-Jährige einen Freund, den sie allerdings vor der Familie geheim hielt. Legendär sind die Erzählungen, wie sie ihn vom Bahnhof abholte und dann mit rasendem Tempo durch den Ort fuhr, damit niemand ihn erkannte. Aber er brachte viel Glück in ihr Leben, die beiden wohnten nicht zusammen, doch verreisten häufiger und genossen die Zweisamkeit. Eine Beziehung auf Augenhöhe, ohne familiäre Verpflichtungen.

Immer wieder treffe ich auf ältere Menschen, die auch noch weit nach 60 Jahren ein neues Liebesglück finden. Wobei die Prioritäten der Beziehung manchmal unterschiedlich sind. Gerade die Frauen möchten gerne einen Begleiter für Kunst, Kultur und Reisen, aber niemanden mehr, den sie ver- und umsorgen müssen. Sie leben lieber alleine und bestimmen gern die Frequenz der Gemeinsamkeit. Die Männer, die ich traf, haben das Arrangement eher zähneknirschend akzeptiert, viele hätten gern wieder eine Frau, die sie verwöhnt.

Da macht es doch das frisch verliebte Paar auf dieser Seite genau richtig: Für die Pflege sorgt das Personal der Seniorenresidenz, gegessen wird im Speisesaal und jeder hat sein eigenes Reich – im gleichen Haus.

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