Unterricht

Hamburger Schüler lernen, Leben zu retten

Die jungen Fußballer vom FC St. Pauli lernen anhand einer Puppe die Herzdruckmassage

Die jungen Fußballer vom FC St. Pauli lernen anhand einer Puppe die Herzdruckmassage

Foto: Alexander Schuller

Ein Verein zeigt Siebtklässlern, wie sie Menschen bei Herz-Kreislauf-Versagen helfen können. Ziel ist die Schulung von 14.000 Kindern

Sie bezeichnen sich selbst scherzhaft als „Rabauken“, die F- und E-Jugendfußballer des FC St.Pauli, aber davon ist an diesem Vormittag im Vereinsheim am Millerntor nichts zu spüren. Timofei, Kyan, Harper und ihre Mannschaftskameraden sind voll bei der Sache, als ihnen Heidrun Fiedler (31) mithilfe einer Übungspuppe erklärt, wie man einen Herzstillstand erkennt, und dann eine Herzdruckmassage durchführt, oder ob ein Mensch noch sicher atmet. Vorher, so die Kursleiterin des Vereins „Ich kann Leben retten“, müsse man jedoch erst mal unbedingt einen Notruf absetzen: „Wähle eins, eins, zwei, und der Arzt kommt herbei!“, ruft Fiedler. „Und jetzt alle zusammen!“

Dieser durch Spenden finanzierte Herzrettungskurs für Kinder während eines Ferien-Fußballcamps ist nur ein weiterer Schritt, um bis Ende 2019 rund 14.000 Hamburger Schülern der Klassenstufe sieben zu zeigen, wie sie Leben retten können. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das von der Hamburger Schulbehörde und dem Landesinstitut für Lehrerbildung unterstützt wird. Denn jedes Jahr sterben in Deutschland rund 70.000 Menschen nach einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen auf dem Weg ins Krankenhaus. Und selbst in Großstädten benötigen Notärzte durchschnittlich mindestens acht bis 15 Minuten bis zum Eintreffen am Ort des ­Geschehens. Nur eine sofortige Herzdruckmassage, auch von Laien durchgeführt, kann diese entscheidenden Minuten überbrücken, die ausreichende Sauerstoffversorgung des Gehirns sicherstellen und die Überlebenschancen der Betroffenen erhöhen.

„Leider wissen aber nur knapp 20 Prozent der Bevölkerung, was bei einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen zu tun ist“, sagt Dr. Martin Buchholz (69) aus dem Vorstand des Vereins, „und außerdem fürchten viele, etwas falsch zu machen, und verzichten dann auf jede Hilfe.“ Dabei sei es kinderleicht, die notwendigen Lebensrettungsmaßnahmen anzuwenden. Das langfristige Ziel, so der Hamburger Mediziner, müsse es sein, „dass die Reanimation von Anfang an zur Lebenskompetenz eines jeden Menschen in Deutschland gehört.“ Bisher haben schon mehr als 3000 Kinder und Jugendliche am Herzrettungskurs des Vereins teilgenommen. Dabei achten die speziell ausgebildeten Kursleiter darauf, behutsam an diese Aufgabe heranzugehen. „Und wir können mit diesem Umweg über junge Menschen deren Eltern, also die Erwachsenen, dazu animieren, ebenfalls zu lernen, was bei einem plötzlichen Herzstillstand zu tun ist“, sagt Frank Risy, Mitbegründer der Initiative „IkLr“.

Ich kann Leben retten e. V., E-Mail:
kontakt@iklr.de, Tel.: 0800-112 36 36 (kostenfrei), Kurse für Erwachsene: www.iklr.de