Patenprojekt

Jungen Geflüchteten eine Chance geben

Die 19-jährige Brwj Mohammed (r.) hat in ihrer Mentorin Franziska Herberger eine Stütze und Freundin gefunden

Die 19-jährige Brwj Mohammed (r.) hat in ihrer Mentorin Franziska Herberger eine Stütze und Freundin gefunden

Foto: Schlaufox e.V.

Beim Projekt Ankerlicht unterstützen Ehrenamtliche ein Jahr lang Flüchtlinge bei Schul- und Berufswahlthemen. Weitere Mentoren gesucht

Noch immer verlassen zu viele Hamburger Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Dabei ist er die Basis für ein erfolgreiches Berufsleben. Besonders junge Geflüchtete haben Schwierigkeiten, den Lernstoff zu bewältigen. Deshalb unterstützt das Projekt Ankerlicht vom Verein Schlaufox Schüler ab 13 Jahren aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Eri­trea oder Somalia. Manche der Neuhamburger haben im Heimatland nie oder nur einige Jahre eine Schule besucht, andere waren bereits auf dem Weg zum Abitur, um danach zu studieren. Im fremden Schulsystem sind die Zensuren dann häufig katastrophal, Berufswünsche rücken in weite Ferne.

Die Jugendlichen haben dann nur noch wenige Jahre bis zum Schulabschluss. „Sie stehen unter einem großen Druck, fachlich und sprachlich auf das geforderte Niveau zu kommen“, sagt Janna Hilger, Geschäftsführerin von Schlaufox e. V. Sie ist begeistert, wie engagiert die meisten Geflüchteten an ihre Aufgaben herangehen. „Ich erlebe sie unglaublich motiviert, fleißig und glücklich darüber, dass sie endlich lernen dürfen. Das kennt man nicht in einer Gesellschaft mit Schulpflicht.“

Ankerlicht bringt je einen ehrenamtlichen Mentor mit einem von der Schule ausgewählten Schüler, dem Mentee, zusammen. Die Jugendlichen haben bereits ein Jahr Vorbereitungsklasse hinter sich. Die Mentoren unterstützen sie bei Fragen zum Schulsystem, beim Lernen für die Schulfächer, bereiten mit ihnen Klassenarbeiten und Prüfungen vor und helfen ihnen, eigene Ziele für Ausbildung und Beruf zu entwickeln. Um das leisten zu können, gibt es Fortbildungen und Coaching, bei denen auch Themen wie Trauma zur Sprache kommen. Ein Jahr lang treffen sich die beiden wöchentlich jeweils anderthalb Stunden in der Schule. „Die Lehrer berichten uns, dass Schüler mit Mentoren zwei- bis dreimal so viel wie andere Flüchtlinge lernen“, sagt Janna Hilger. Wenn das Mentoring zu Ende ist, findet eine Übergabe „zurück an die Lehrer“ statt – was den Ehrenamtlichen hilft loszulassen. Die 19-jährige Brwj Mohammed hat in ihrer Mentorin Franziska Herberger eine Stütze und Freundin gefunden. „Ich war hoffnungslos“, sagt die Irakerin, „ich hatte nicht nur meine Heimat verlassen, sondern auch alle meine Träume waren kaputt. Seit ich ein Kind war, wollte ich Ärztin werden, hatte immer Einsen in der Schule. Wäre ich noch im Irak, würde ich jetzt studieren. Hier kam ich in die 11. Klasse und habe nichts verstanden. Franziska hat mir so sehr geholfen, ich habe viel gelernt.“ Auch für Franziska Herberger ist die Verbindung zu der jungen Frau wertvoll: „Ich kann mich jetzt viel besser hineinversetzen in Menschen, die ganz neu anfangen müssen, habe gesehen wie schnell es gehen kann, dass Träume platzen, obwohl man immer fleißig und zielstrebig war“, so die Rechtsanwältin.

Erfolgreiche Schüler werden selbstbewusster und fühlen sich mehr wertgeschätzt, das hilft auch bei der Verarbeitung von schlimmen Erlebnissen. Und wirtschaftlich betrachtet lohne sich der Einsatz für die jungen Menschen, rechnet Hilger vor. „Wenn wir in diesem Jahr 50 Kinder begleiten, sparen wir der Gesellschaft künftig Zehntausende Euro Unterstützungsleistungen jährlich, da diese jungen Menschen in naher Zukunft eine Ausbildung oder ein Studium beginnen und später für sich selbst sorgen können.“

Das Projekt braucht wieder neue Mentoren, sagt Janna Hilger: „An alle, die schon mit dem Gedanken gespielt haben, sich sozial zu engagieren: Jetzt ist die Zeit gekommen. Wir freuen uns auf Sie!“

Information und Anmeldung: Janna Hilger, Tel. 609 41 98 11, E-Mail: ankerlicht@schlaufox.de, www.schlaufox.de

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.