Kolumne

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sabine Tesche Redakteurin

Foto: Andreas Laible

Sabine Tesche Redakteurin

Es gibt immer wieder Mütter, die maßen sich an, besser über die Erziehung der eigenen Kinder urteilen zu können, als man selber

Als ich meine beiden Söhne in die Krippenbetreuung gab, musste ich mir von einigen Müttern anhören, wie ich es denn mit meinem Gewissen vereinbaren könne, meine Kinder so früh in Fremdbetreuung zu geben. Ich habe mich über solche Kommentare sehr geärgert, denn sie implizierten, dass Kinder nur zu Hause eine gute Betreuung bekommen und dass nur diese Mütter genau wissen, was das Beste für meine Söhne ist. Wie kann man sich so etwas anmaßen?

Wie muss es da einer Mutter gehen, die ihr Kind in ein Heim gibt, weil ein weiteres Zusammenleben mit ihm unmöglich erscheint? Was musste sie sich wohl von anderen für Kommentare anhören? Cornelia Kreuzer (siehe Artikel) hat ihre Tochter Lisa mit zwölf Jahren in eine betreute Wohngruppe gegeben. Und für sie und ihre Tochter war es genau die richtige Entscheidung – wie auch für andere Eltern, deren Kinder in der Stiftung Anscharhöhe leben. Mich hat bei dem Gespräch tief beeindruckt, wie offen und ehrlich diese starke Frau über ihre Gefühle zu ihrer Tochter, über ihren Hass und die Verzweiflung gesprochen hat. Im Unterschied zu vielen Eltern, die alles aushalten und daran zerbrechen, hat Cornelia Kreuzer sich Hilfe geholt. Und damit auch die Beziehung zu Lisa gerettet.

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