Mensch

Den inneren K.-o.-Schlag verhindern

Kennen Sie das? Sie erzählen gerade in einer gemütlichen Runde, dass Sie auf der Treppe gestürzt sind und sich eine schmerzhafte Prellung zugezogen haben. Da ruft eine Freundin schon dazwischen: „Ja, das ist mir auch passiert! Nur viel schlimmer, ich hab mir dabei zwei Rippen gebrochen. Das war so …“ Weiter geht es mit ihrer Geschichte, die viel dramatischer ist als Ihr eigenes Erlebnis. Sie fühlen sich plötzlich, als hätte jemand Sie innerlich k. o. geschlagen. Zwar hat keiner Sie direkt angegriffen, und doch ist etwas Entscheidendes für Sie schiefgelaufen.

Es ist paradox, dass manchmal nur wenige Worte reichen, um auch selbstbewusste Menschen aus der Fassung zu bringen, ob von Freunden, vom Chef, einem Familienangehörigen oder sogar von Unbekannten im Bus. Das kann mit körperlichen Symptomen einhergehen wie Schmerzen im Kopf, Verspannungen oder Bauchgrimmen, die eigene Abwehr bricht zusammen.

„Nicht mit mir!“ verspricht das Buch von Nathalie Springer und Catharina Wilhelm, in dem sie solche Situationen beschreiben, analysieren und mit Übungen helfen, die eigenen Auslöser und Hintergründe zu identifizieren mit dem Ziel, souverän zu bleiben.

Es gibt Typen wie den Drängler oder Scharfrichter

Die Autorinnen stellen verschiedene Typen vor wie „Dramaqueen“, „Drängler“, „Scharfrichter“, „Bumerangwerfer“, „Ratgeber“ oder „Schlange“, die mit ihren Strategien andere kurzerhand lahmlegen können. Die beiden Coaches decken auf, was sich hinter einem solchen gefühlten K.-o.-Schlag verbergen kann. Eine sehr starke Reaktion sei meistens auf Kindheitserfahrungen und erlernte Muster zurückzuführen. Denn ein Kind muss sich anpassen, weil es lange abhängig von Erwachsenen ist und schlichtweg überleben möchte. Wenn Mutter oder Vater ihm zum Beispiel ständig vermitteln, es solle ruhig sein und sich zurücknehmen, wird es dies tun und daraus schließen, dass Bedürfnisse seiner Mitmenschen wichtiger sein müssen als seine eigenen.

Die Einschätzung gilt dann weiter im Erwachsenenalter und der Betreffende schafft es nicht, sich für seine Belange angemessen einzusetzen. In diesen Momenten, in denen sich jemand anders in irgendeiner Form wichtig mache, „wird eine Saite in Ihnen zum Schwingen gebracht, die es von klein auf gewohnt ist, zu schweigen“, heißt es in dem Buch. Wer sich traue, die eigene Schwäche anzuschauen, könne schrittweise stärker werden und schließlich signalisieren: „Nicht mit mir!“

Das Buch bietet die Möglichkeit herauszufinden, welches Programm abläuft, wenn andere es mit Worten schaffen, einen aus der Fassung zu bringen. Wer innerlichen K.-o.-Schlägen künftig Paroli bieten möchte, auf den wartet allerdings auch noch ein Stückchen Arbeit an sich selbst. (hwa)

Nathalie Springer/Catharina Wilhelm: „Nicht mit mir!“, Kösel, 237 S., 17,99 Euro

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