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Management ade – jetzt werden Nussriegel produziert

Katharina Staudacher (38) war Produktmanagerin bei Tchibo. Heute stellt sie Nuss- und Früchteriegel her.

Die Karrieredaten: Internationales Management in den Niederlanden studiert, ein Semester in Barcelona eingelegt, im Investmentbanking tätig, bei Tchibo für die Sparte Bad, später für den Bereich Wellness und Gesundheit zuständig. Heute stellt Katharina Staudacher lieber Nuss- und Trockenfrüchteriegel her, die Frisco Crisp heißen, Poppy Limona oder Sahara Dragon.

Sie war für Tchibo in New York, Kalifornien, Paris, Zürich, Tokio – auf der Suche nach neuen Trends. Spannend waren diese Inspirationsreisen, zumindest eine Zeit lang. Nach fünfeinhalb Jahren aber hatte es sich erschöpft. „Ich wollte etwas Substanzvolleres machen“, erzählt die Mutter von drei Kindern (zehn Monate, zwei und fünf Jahre alt) an diesem Vormittag in ihrem Souterrain-Büro in Eimsbüttel.

Aber was genau sie wollte, wusste sie erst, als sie während ihres einjährigen Aufbaustudiums Produktmanagement im kalifornischen Berkeley selbst kreierte Mischungen von Nüssen und Trockenfrüchten in die Vorlesungen mitnahm, ihre Kommilitonen ihr diese wegaßen und dabei alles voll krümelten. Sie überlegte, wie sich Nüsse und Trockenfrüchte als Nuss-Snack ohne Cerealien, ohne Glukosesirup machen ließen. Sie besuchte ein Start-up für Müsliriegel in San Francisco, holte sich dort Wissen und Anregungen. Katharina Staudacher ging den Neustart strategisch an.

Eine Auszeit in Kalifornienhat ihr den Kopf geöffnet

Wieder in Deutschland, kündigte sie ihren Job. Der Gründungsgeist hatte sie gepackt, an ein Zurück in ihr altes berufliches Leben war nicht zu denken. „In den USA haben sie mir gesagt: Gründe etwas, und wenn es nicht funktioniert, dann machst du etwas Neues.“ Diese Auszeit habe ihr den Kopf geöffnet, wie sie es formuliert. „Es war mir hier zu eng. Wenn ich das nicht jetzt mache, würde ich es vielleicht bereuen, es nicht wenigstens ausprobiert zu haben.“

Sie hat es gewagt. „Ohne die Unterstützung meiner Familie und meines Mannes wäre es nicht gegangen“, sagt sie. Ihr Mann ist Rechtsanwalt, finanzielle Sorgen hatte sie nicht. Mit ihren Eltern hat sie zunächst drei Wochen lang von sieben Uhr bis 21 Uhr 4000 Nuss- und Früchteriegel produziert. Sie hat Rezepte ausprobiert und mit ihrer Geschäftspartnerin, einer früheren Kommilitonin, Klinken geputzt. Tchibo nahm die Riegel – heute verkauft ihre Firma foodloose in 4000 Geschäften in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Riegel.

Was Umsteiger brauchen: „Man muss es wollen und bereit sein, den Weg zu Ende zu gehen.“ Sie habe nie an ihrer Idee gezweifelt. „Ich wollte das, hatte mein Ziel vor Augen.“ Durchhaltevermögen sei nötig und Verzicht.

www.foodloose.net

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