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Von der Café-Betreiberin zum Entspannungscoach

Tanja Viviani (46) betreibt seit zwölf Jahren ihr eigenes Café, die Cuci Bar in Hoheluft-West. Jetzt ist sie Entspannungstrainerin.

Sie war vor 29 Jahren in die Gastronomie reingerutscht, sagt Tanja Viviani. Ihre Eltern betrieben ein Restaurant, Tochter Tanja half nach ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau mit, gehörte dazu. Seit mehr als zehn Jahren ist es umkehrt: Ihre Eltern arbeiten im Café Cuci Bar der Tochter an der Bismarckstraße. Dann kam Tanja Viviani der Gedanke, dass dieser Familienbetrieb altersbedingt irgendwann endet. „Ich habe mich gefragt: Ist das noch meins?“, sagt sie. „Mache ich das auch weiter, wenn meine Eltern nicht mehr dabei sind?“ Eine existenzielle Frage war das, von Zukunftsangst geprägt. „Das hat mich sehr beunruhigt, später allein zu sein“, sagt die Mutter einer Tochter (14) und eines Sohnes (12). Vom Vater der Kinder lebt sie getrennt.

Sie fühlte sich unterfordert mit der Arbeit im eigenen Café

Ihr Leben im Café sei bequem, aber: „Ich war unterfordert. Mein Geist brauchte mal etwas Neues, Futter. Ich habe nichts mehr erlebt und musste raus aus dieser Komfortzone“, gesteht sie. Eine frustrierende Beziehung zu einem Mann raubte ihr endgültig die Energie. Yoga, Meditation und das Singen von Mantras ließen sie zu sich selbst finden. „Ich spürte mich wieder“, sagt sie. Sie bekam mehr Klarheit, und Weihnachten 2015 stellte sie sich die Frage: „Was kann ich dafür tun, dass das kommende Jahr spannender wird?“

Sie stieß auf einen Fernlehrgang zur Entspannungstrainerin. Zunächst ging es eher darum, sich selbst Gutes zu tun. In Zukunft aber wird sie anderen mit Qigong, autogenem Training oder Fantasiereisen helfen, Stress zu verarbeiten. Elf Monate lang lernte Tanja Viviani nebenberuflich am Abend und am Wochenende, alle zwei Wochen musste sie eine Hausarbeit schreiben. Anstrengend? Nein. „Das war keine Lernerei, ich habe das regelrecht aufgesogen.“

Dieser Schritt war der richtige: „Ich habe keine Zukunftsangst mehr.“ Ihr neuer Beruf gibt ihr Sicherheit. Noch hat sie das Café und ist mit Herzblut bei der Sache, aber nun kann sie gleichzeitig mit ihren Entspannungskursen in einer Praxis für Osteopathie gegenüber dem Café starten. Abends, morgens oder am Wochenende. Ihr Fazit: „Man braucht nur etwas Kleines zu verändern. Man muss mutig sein, intuitiv und nach dem Bauchgefühl entscheiden.“

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