Magazin

Eine junge Geigerin brachte die Erhellung

Lass die anderen doch (meist vergeblich) nach Karten klicken oder aber – bei Erfolg – gut hören, sagte ich mir. Irgendwann wird’s schon klappen mit dem Besuch des Großen Saals. Mein innerer Gerhard Schröder („Ich will da rein!“) meldete sich kaum. Als es dann – dank familiären Engagements – an einem trüben Montagabend Ende Oktober beim Preisträger-Konzert „55 Jahre Deutsche Stiftung Musikleben“ doch so weit war und die Plätze in der 15. Etage gefunden waren, hieß es: Augen und Lauscher auf. Sicht von weit oben auf die Bühne sehr gut, Akustik ohnehin (auch bei der überlangen Begrüßungsrede und beim Orgelwerk Sebastian Küchler-Blessings mit ungewohnt schrägen Klängen). Umso faszinierender der Auftritt von Veriko Tchumburidze: Allein im Lichtkegel stehend, spielte die Geigerin Jacques ­Thibauds Solo-Sonate derart rasant, dass sie mit Ende der Musik abtrat. Erst der minutenlange Applaus lockte die schüchterne 21-Jährige wieder auf die große Bühne – zurück ins Licht. Ihr Lächeln übertrug sich bis in die 15. Etage. Das Konzert-Motto hieß „So klingt die Zukunft“, die Elbphilharmonie aber war fortan Gegenwart. Stefan Reckziegel