Aktion

"Danke, dass Sie an uns denken"

Bernd Waldenmeyer  und Jutta Ewertfreuten sich über Ihre Weihnachtspäckchen

Foto: Klaus Bodig

Bernd Waldenmeyer und Jutta Ewertfreuten sich über Ihre Weihnachtspäckchen

8000 Weihnachtspäckchen der Abendblatt-Redaktion "Von Mensch zu Mensch" gingen an bedürftige und einsame Menschen in Hamburg

Für die beiden Rentner Jutta Ewert und Bernd Waldenmeyer ist die Weihnachtszeit eher bedrückend. "Wenn ich durch die Straßen gehe, sind alle frohgemut und kaufen wunderbare Dinge. Das kann ich eben leider nicht", sagt die 63-Jährige. Es klingt nicht anklagend, die Hamburgerin hat sich damit abgefunden, dass sie mit 400 Euro im Monat zurechtkommen muss. Und sie ist zumindestens nicht alleine am Heiligen Abend. Ihr Nachbar Bernd Waldenmeyer wird zu ihr kommen, gemeinsam werden sie etwas kochen. Sie teilen sich auch die Kosten für das Telefon, das bei ihm steht, und die Münzen für den Waschautomaten im Mehrfamilienhaus.

Und so kommen sie auch gemeinsam in die Abendblatt-Redaktion, um sich je ein Weihnachtspäckchen abzuholen. "Dieses Päckchen bedeutet mir sehr viel", sagt der 66-Jährige. "Es ist ein Stück Teilhabe, ich habe dann das Gefühl dazuzugehören, weil auch ich ein Geschenk bekommen habe. Ich finde es berührend, dass die Hamburger-Abendblatt-Leser an uns ärmere Menschen in dieser Zeit denken." Der Diplom-Psychologe ist ebenso wie Jutta Ewert alleinstehend, hat keine Familie und muss mit knapp 1000 Euro im Monat auskommen. Davon zahlt er die Miete, Lebensmittel, Kleidung und laufende Kosten. Obwohl er eine gute Ausbildung und sein Leben lang gearbeitet hat, bekommt er im Alter nur eine kleine Rente. "Ich habe selten einen Vollzeitjob bekommen, meistens konnte ich nur Teilzeit arbeiten – leider", sagt er. Bernd Waldenmeyer hat in sozialen Projekten gearbeitet und begleitet derzeit einen an Demenz erkrankten Mann im Alltag.

Jutta Ewert freut sich sehr über die genähte Stoffkatze

Auch Waldenmeyer ist nicht verbittert über seine Situation, dennoch fehlen ihm manchmal Museums- oder Kinobesuche oder auch die Teilnahme an einem Rockkonzert. "Aber ich weiß, wo man kostenlos auch mal klassische Musik hören kann", sagt er. Jutta Ewert ist ebenfalls aktiv, sie organisiert für einen Verein ehrenamtlich Ausflüge für Senioren. Gerade waren sie bei einer Führung im Michel als kleine Einstimmung auf das Fest.

Mit einem strahlenden Lächeln zieht Jutta Ewert neben einem Kinderbild auch eine rote Stoffkatze aus ihrem Päckchen, diese hat eine Leserin für die Aktion genäht. "Wie wunderschön. Ich liebe Katzen, ich hatte früher selber welche", sagt Ewert, die als Lehrerin gearbeitet hat, aber durch unglückliche Umstände nun im Alter von Grundsicherung leben muss. Sie freut sich besonders über die Dominosteine, die Spekulatiuskekse und den Stollen. "Ich finde es schön, dass das alles Markenartikel sind. Das leiste ich mir sonst nie und ich kann so wieder etwas Geld sparen." Geld, das sie und Bernd Waldenmeyer für einen Kinobesuch am 25. Januar verwenden werden – dann hat Jutta Ewert nämlich Geburtstag. "Und dann gönnen wir uns auch mal etwas Besonderes."

Etwas Besonderes ist auch die Weihnachtsfeier der Stadtteildiakonie Sülldorf Iserbrook, zu der rund 80 Gäste gekommen sind, alte und junge, einige im Rollstuhl, Familien mit Kindern. Der Gemeindehaussaal ist festlich geschmückt, auf den Tischen stehen Teelichter, Kuchen und Kekse, es gibt Mandarinen und auf jedem Teller lächelt ein Schneemann aus Pfeffernüssen und Schokolinsen den Teilnehmern entgegen. Vor den großen Sprossenfenstern steht eine mächtige Tanne, auf die gerade Schnee rieselt. Diese Stimmung genießen auch Lucija Steinseifer und der dreijährige Emmanuel. Die Mutter von vier Söhnen möchte bald in Teilzeit wieder als Altenpflegerin tätig sein, Emmanuels Vater arbeitet Vollzeit für den Mindestlohn. "Aber es reicht hinten und vorne nicht zum Leben", sagt die 42-Jährige. Sie freut sich sehr über ihr Weihnachtspäckchen. "Die Kinder mögen so gerne Süßigkeiten und ich finde den Kaffee super, das leisten wir uns sonst nicht. Es ist toll, dass es Menschen gibt, die so etwas spenden!" Ihr Sohn hat derweil den rosa Fröbelstern entdeckt und hält ihn begeistert hoch.

Georgia Trust Akpede kann auf der Feier für ein paar Stunden ihrer schwierigen Wohnsituation entkommen. Sie hat nach der Trennung von ihrem Ehemann die gemeinsame Wohnung aufgeben müssen, da diese nun zu groß war, um vom Amt bezahlt zu werden. Nun ist sie in einer Flüchtlingsunterkunft notdürftig untergekommen und sucht dringend ein Zuhause für sich und ihre Söhne Noah (3) und Jo­shua (1). Die 30-Jährige träumt davon, eine Ausbildung zur Busfahrerin zu machen, damit sie ihren Kindern eine Zukunft bieten kann. Die beiden Jungen packen das Päckchen eifrig mit aus und freuen sich über die Leckereien.

An diesem Nachmittag wird gemeinsam gesungen und es gibt ein Überraschungsprogramm: Die Klasse 9c vom Dönhoffgymnasium musiziert für die Gäste und ein Film wird vorgeführt. Die Leiterin der Stadtteildiakonie, Susanne Alms de Ocana, möchte allen etwas richtig Schönes bieten. "Wir unterstützen zahlreiche Familien und Senioren, die in sehr schwierigen Lebenssituationen sind", sagt sie. ­"Armut ist eine traurige Realität in unserer Stadt und wir versuchen immer wieder mit kleinen Aktivitäten Freude in den Alltag der Menschen zu bringen. Dazu gehören zu Weihnachten die grünen Päckchen vom Hamburger Abendblatt."

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