Kolumne

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sabine Tesche

Foto: HA / A.Laible

Sabine Tesche

Vielleicht bin ich etwas spießig, aber mich stört diese permanente Duzerei – besonders durch postpubertärer Verkäufer in Trendläden

Wie alle Hamburger bin ich derzeit auf Geschenkejagd. Das macht mir eigentlich Spaß, was mich dagegen irritiert, ist, dass ich in vielen Läden geduzt werde von jungen Verkäuferinnen und Verkäufern, die vom Alter her meine Kinder sein könnten. Wenn mich die langjährigen Freunde meiner Söhne duzen, habe ich nichts dagegen – aber Wildfremde?

"Das ist hier Firmen-Policy, wir müssen das tun", sagt mir ein Postpubertärer beim Apple-Store, als mein konsequentes Siezen keine Reaktion zeigt und ich ihn darauf anspreche, dass ich nicht geduzt werden möchte. Ich beginne mich zu fragen, ob ich vielleicht doch spießiger bin, als ich immer zu sein glaubte, denn das Duzen ist ja auch in der Arbeitswelt auf dem Vormarsch. Selbst bei urhanseatischen Firmen wie dem Otto-Versand und ECE kann jetzt auch jeder Auszubildende den Michael und Alexander (Otto) duzen, das soll das Wir-Gefühl stärken. Ich erlebe es zudem bei Bekannten, dass sie sich mit fast allen Kollegen duzen, außer denen, mit denen sie sich zerstritten haben und deswegen jetzt wieder siezen. Das finde ich persönlich seltsam, aber tatsächlich bringt das "Sie" doch etwas Distanz – und die habe ich manchmal ganz gern.

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