Beratung

Schnelle Hilfe bei seelischer Not

Pastor Reinhard Dircks, ist Leiter des Seelsorge- und Beratungszentrums St. Petrim

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Pastor Reinhard Dircks, ist Leiter des Seelsorge- und Beratungszentrums St. Petrim Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Das Beratungszentrum St. Petri bietet neben Therapien eine offene Beratung an

In der Regel muss man monatelang warten, bis man einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten bekommt. Was das für Menschen bedeutet, die unter Ängsten, Depressionen, Essstörungen und anderen seelischen Erkrankungen leiden, lässt sich nur erahnen. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit. Aber zumindest gibt es in Hamburg einen Weg, schnell in fachkundige Hände zu kommen: über das Beratungs- und Seelsorgezentrum Hauptkirche St. Petri mitten in der City.

„Bei uns arbeiten 25 ausgebildete Psychotherapeuten, mit denen man binnen weniger Tage ein Erstgespräch führen kann“, sagt Diplom-Psychologe Matthias Schmidt. Sei der Kontakt erst einmal hergestellt, könne die Therapie „wenige Wochen später“ begonnen werden. Eine Überweisung durch den Hausarzt oder eine Genehmigung seitens der Krankenkasse sind dafür nicht notwendig, denn die Honorare müssen privat entrichtet werden. „Sie belaufen sich aber nur auf zwei Prozent des Nettoeinkommens“, sagt Schmidt. Wer also 1500 Euro netto verdiene, bezahle für eine Stunde 30 Euro. „Und es soll auch nicht am Geld scheitern, wenn die Not groß ist“, ergänzt der 55-Jährige, der seit elf Jahren die Arbeit des Beratungs- und Seelsorgezentrums unterstützt.

Gespräche sind anonym und ohne Voranmeldung möglich

Neben den Fachkräften gibt es noch 150 ehrenamtliche Laien-Berater, die Matthias Schmidt koordiniert. „Etwa ein Jahr dauert ihre Ausbildung. Danach wissen sie, wie man zuhört, ohne zu bewerten oder eine Diagnose zu stellen. Das ist wichtig für viele Menschen, die zu uns kommen, um ihr Herz auszuschütten“, sagt Schmidt. Dieses Angebot der „Offenen Beratung“ ist in dieser Form bislang einzigartig in Deutschland. „Wir bieten die Laienberatung seit den 70er-Jahren an“, sagt Schmidt.

Die Erfahrung zeige: Viele Menschen empfinden dieses kostenlose, auf Wunsch anonyme und ohne Voranmeldung mögliche Gespräch in der Offenen Beratung als sehr heilsam. „Die meisten nutzten dafür gern das Vier-Augen-Gespräch, möglich ist aber auch ein Gespräch am Telefon“, sagt Schmidt. Knapp 6000 Kontakte dieser Art finden pro Jahr statt. „Mehrheitlich sind es Frauen zwischen 45 und 65 Jahren, die zu uns kommen.“ Einsamkeit, Trennungsprobleme seien dabei oft ein Thema. „Aber es gibt keine Einschränkungen. Hier wird über das Leben gesprochen“, betont Matthias Schmidt. (be)

Beratungs- und Seelsorgezentrum Hauptkirche St. Petri, Bei der Petrikirche/Mönckebergstraße, Tel. 32 50 38 70. Offene, kostenlose Beratung: Montag bis Sonnabend 11 bis 18 Uhr; Mittwoch zusätzlich von 18 bis 21 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen 11.30 bis 15 Uhr. Im Januar gibt es die Kurse „Hilfreich miteinander sprechen“, in denen man sich in der Kunst des Zuhörens und des Gesprächs üben kann. Der Kurs ist Voraussetzung, um bei der Offenen Beratung mitzumachen zu können.
Es werden noch Ehrenamtliche gesucht.
Anmeldung und Infos unter: Tel. 32 50 38 78 oder www.bsz-hamburg.de

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