Aktion

Heiße Suppe und warme Worte

Vor allem arme Familien, Behinderte und Senioren werden von der Suppenküche der Johanniter in Riga versorgt

Vor allem arme Familien, Behinderte und Senioren werden von der Suppenküche der Johanniter in Riga versorgt

Foto: Janis Berzins

Die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser sammeln für Arme in Lettland und Litauen

Die Malteser im litauischen Kaunas versorgen rund 50 alte, arme und kranke Menschen zu Hause, in Pflegeheimen und Krankenhäusern mit einer warmen Mahlzeit. Eine von ihnen ist die 94-jährige ehemalige Mathematiklehrerin Janina Paškevičiene. Sie lebt nur noch in Erinnerungen an eine glückliche Familie, einen liebevollen Mann und fürsorgliche Töchter. Früher malte sich die Litauerin aus, ihre Enkel aufwachsen zu sehen und mit ihren ehemaligen Schülern in Kontakt zu bleiben.

Doch ein einziger Tag veränderte ihr ganzes Leben. Im Haus einer ihrer Töchter explodierte eine Gasflasche. Da auch deren Schwester gerade zu Besuch war, starben beide jungen Frauen. Janina Paškevičiene fand noch viele Monate nach dem Unglück keinen Schlaf und litt an einer schweren Depression. „Mein Mann hat sich nie richtig davon erholt und starb an Verzweiflung“, sagt die alte Frau kaum hörbar.

Die Seniorin erhält nur eine kleine Rente, davon muss sie ihre Medikamente und die Energiekosten bezahlen, um über den kalten litauischen Winter zu kommen. So bleibt ihr kaum Geld für Lebensmittel übrig. Die alte Dame lebt allein und traute sich lange Zeit nicht, Hilfe zu suchen. Als ihre ehemaligen Schüler von ihrer Situation erfuhren, informierten sie die Malteser in Kaunas. Seitdem erhält sie täglich ein warmes Essen, das ihr Ehrenamtliche vorbeibringen.

„Die Leser des Hamburger Abendblatts unterstützen unsere Litauenhilfe seit vielen Jahren, dafür sind wir Malteser sehr dankbar. Mit ihrer Spende können wir auch weiterhin das Projekt Essen auf Rädern und die Nachmittagsbetreuung für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Litauen betreiben. Gemeinsam können wir einen Unterschied machen“, sagt Jörg Baumannn, der Auslandsbeauftragte der Malteser in der Hansestadt Hamburg.

Im Familienzentrum des ASB gibt es warmes Essen

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) möchte sich zukünftig auch stärker in Kaunas engagieren. „Die prekäre Situation vieler Kinder fällt augenscheinlich nicht auf, nur mit dem richtigen Blick wird die Not sichtbar“, sagt Gerd Prüfer vom ASB in Hamburg. Deshalb haben die litauischen Samariter vor Ort ein Familienzentrum aufgebaut. Dorthin kommen Kinder nach dem Unterricht zum Essen, Lernen und Spielen. Das warme Mittagessen für die Schulkinder ist den Samaritern besonders wichtig. Die Versorgung finanzieren sie mit Spenden. Der Stadt Kaunas fehlen die Mittel für die finanzielle Unterstützung. Auch für die Eltern gibt es im Haus ein Beratungsangebot zur Familienhilfe.

Dass sich dieser Einsatz auszahlt, hat der ASB bei einem anderen Kinderzentrum im litauischen Šlienava erfahren. Aufgebaut vom Litauischen Samariter-Bund mit finanzieller Hilfe aus Deutschland, haben die Maßnahmen Verwaltung und Politik im Landkreis Kaunas dazu bewegt, den Hauptteil der Kosten zu übernehmen. „Liebe Leser des Hamburger Abendblatts, mit Ihren Spenden haben wir das Kinderzentrum Šlienava mehrere Jahre unterstützt und den Bürgermeister zum Handeln bewegt. Damit sind die Kinder in Šlienava versorgt, bitten helfen Sie uns auch in Kaunas“, sagt Prüfer. Seit 1999 gibt es eine Partnerschaft zwischen dem Litauischen Samariter-Bund (LSB) und dem Arbeiter-Samariter-Bund Hamburg-Nordost e. V. (ASB). Mit bis zu vier Hilfstransporten liefert der ASB rund 100 Tonnen Hilfsgüter – von Kleidung bis zu Krankenhaus- und Pflegebetten – pro Jahr. Der LSB Kaunas ist der zweitgrößte Partner der Stadt und des Landkreises Kaunas.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat eine Suppenküche in Riga

Die Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt sich Bedürftiger in Riga an. Dort ist es jetzt schon kalt. Fröstelnd steht Janis Visulis in der langen Schlange vor der Suppenküche der Sveta Jana Palidziba. Er freut sich schon auf die heiße Suppe. Heute soll es Krautsuppe geben, vielleicht sogar mit Fleisch, die hat seine Mutter früher auch immer gekocht. Der 63-jährige Janis kommt seit vielen Jahren in die Suppenküche. Er ist auf dem Land aufgewachsen und hat im Straßenbau gearbeitet. Nach einem Arbeitsunfall kann er das nicht mehr und ist auf Unterstützung angewiesen. Durch die Pleite seiner Firma gab es keine Entschädigung. Also bekommt er nur eine kleine Rente, die knapp zum Leben reicht, nach Miete, Holz für den Ofen und Brot ist das Geld aufgebraucht. Er hat keine Familie.

„Gut, dass es die Suppenküche der Johanniter gibt, ohne die ginge es mir sehr schlecht“, sagt er. „Die freundliche Ansprache der Mitarbeiter tut auch immer gut. Außerdem treffe ich hier andere Menschen und bin nicht so alleine. Ich bin den Hamburgern so dankbar, denn ohne ihre Spenden gäbe es die Suppenküche nicht.“

Die Johanniter-Unfall-Hilfe unterstützt seit 1992 in der lettischen Hauptstadt Riga die Suppenküche der Schwesterorganisation Sveta Jana Palidziba. Täglich verteilen Helfer dort rund 600 warme Mahlzeiten – vor allem an Kinder, Alleinerziehende, Behinderte und Rentner wie Janis. Die Suppenküche kocht nahrhafte Kost mit regionalen Produkten und finanziert sich ausschließlich durch Spendengelder aus Hamburg.

Wenn Sie für die Projekte spenden möchten: Arbeiter-Samariter-Bund, Haspa, IBAN: DE95 2005 0550 1217 1630 52, Stichwort Kaunas.
Johanniter, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE31 3702 0500 0004 3249 01, Stichwort Suppenküche.
Riga Malteser, Haspa, IBAN: DE33 2005 0550 1280 2163 99, Stichwort Litauenhilfe

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