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Das Malen gibt ihm Halt

Sven Rosé malt auf Planken, Obstkisten und Jutesäcken

Sven Rosé malt auf Planken, Obstkisten und Jutesäcken

Foto: Irene Jung

Eine psychische Erkrankung warf Sven Rosé aus der Bahn. Durch eine Kunsttherapie entdeckte er sein Talent für Tier-Zeichnungen

Er bemalt Obstkisten und Jutetaschen, bedruckt alte Schallplatten mit Rettungsringen und eigenen Fotos vom Hafen. Seine Bilder hängen im St. Pauli Tourist Office, im Nachbarschaftsheim an der Silbersackstraße und mehreren Cafés, regelmäßig bietet er sie auf der Straße oder auf Flohmärkten an. Kinder-T-Shirts mit seinen Tierfiguren werden in „Rosenblatt & Fabeltiere“ in der Clemens-Schultz-Straße vertrieben. „Ich hab schon eine Menge Bilder verkaufen können“, sagt Sven Rosé (49).

Sven Rosé ist groß, kräftig und immer sehr korrekt angezogen mit Jackett und Krawatte. Auf St. Pauli ist er schon bekannt wie ein bunter Hund. Das kann man so sagen, weil er ja auch bunte Hunde malt. Außerdem Nilpferde, Makis, Frösche, Haie, Walrosse, Hühner und Dachse, eben alles, was so kreucht und fleucht. „Ich konzentriere mich auf mein Herz, so kommen die Motive zustande“, sagt Sven Rosé.

Warum gerade Tiere? „Ich liebe Tiere. Und mit meinen Bildern gebe ich den Leuten ein Stück Liebe, darum nenne ich meine Kunst auch Love Art. Das Malen gibt mir Halt.“ Sven Rosé hat ein bewegtes Leben hinter sich. Geboren in Bremervörde, zog er mit 16 Jahren zu Hause aus und betätigte sich in Berlin als Straßenhändler. „Erst hab ich Socken verkauft“, erzählt er. Beim Trampen traf er seinen späteren Arbeitgeber, für den er dann in Frankfurt am Main Modeschmuck feilbot. „Dann hab ich eine Dummheit gemacht. Ich bin von West- nach Ostberlin gegangen.“ Dort irrte er in den Straßen umher, erlebte er eine Art Blackout und kam in der DDR in die Psychiatrie. „Das war so schrecklich, dass ich versucht habe, mich umzubringen“, erzählt er.

Nach der Wende zog er nach Hamburg und traf einen Betreuer, der ihn auf St. Pauli an die J.W. Rautenberg-Gesellschaft für ambulante Sozialpsychia­trie vermittelte. In der Kunsttherapie-Gruppe bei Anja Feyerabend ist er dann zum Malen gekommen. Während andere Abstraktes, Blumen oder Landschaften malten, waren es bei Sven Rosé von Anfang an Tiere. Einige Frühwerke hängen noch in der Küche der Einrichtung. Mit nur wenigen Strichen brachte Sven mit Wachsmalkreiden eine Maus oder auch einen Stier zu Papier und las den Gruppenmitgliedern aus Büchern etwas über die Arten vor.

Vielen anderen im etreuten Wohnen gefielen die Bilder so gut, dass die Idee für den Kindershirt-Verkauf entstand – und damit auch für den sozialen Laden „Rosenblatt & Fabeltiere“ in der Clemens-Schultz-Straße 43. Hier arbeiten Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber vielfältigen Begabungen und Freude an Design, Produktion und Verkauf von Mode und Accessoires. Wie Sven Rosé lieben sie schöne Dinge „und die Idee, dass man nicht perfekt sein muss, um etwas zu erschaffen, das die Welt ein bisschen schöner, bunter und vielleicht sogar besser macht“. Für ihre Arbeit bekommen die Künstler nur einen kleinen symbolischen Obolus. „Das Projekt ist dazu da, Langzeitarbeitslosen wieder eine Perspektive und mehr Selbstbewusstsein zu geben. Je mehr Umsätze wir im Laden erzielen, desto mehr können wir ihnen zahlen. Das möchten wir auch gern“, sagt Katja Stechemesser, Leiterin des Arbeitsprojekts „Rosenblatt & Fabeltiere“. Jedes der Shirt-Tiere von Rosé hat einen Namen und eine Eigenheit, die vielleicht zu dem Kind passt, das das Shirt trägt. „Die Fabeltiere sind mit viel Liebe gemalt und haben eine Seele. Das strahlen sie auch aus. Wir finden, sie sind wunderbare Begleiter für kleine Kinder“, sagt Katja Stechemesser. Für eine neue Serie hat Sven Rosé inzwischen eine Monsterkollektion gemalt.

Auf Jute und Holzkisten malt er etwas plakativer. Durchweg sind seine Tiere freundlich, so wie er selbst. Gekauft werden sie nicht nur von Kindern. Auf die Idee mit den bedruckten Schallplatten brachte ihn ein kleiner Plattenladen in der Schanze, von dem er ausgediente LPs bekommt. Den Hamburger Rettungsring mit eigenen Fotos hat er selbst entwickelt.

„Seine künstlerische Tätigkeit hat Sven stabilisiert“, sagt sein Betreuer Gunnar Griepentrog. Sven verkauft seine Bilder eigenständig und macht sich Gedanken über die Vermarktung. Er hat ein sehr schönes Plakat entwickelt mit dem Text: „Haben Sie Lust, mich auszustellen?“ und eine eigene Facebookseite. Seit zwei Jahren erhält Sven Rosé zudem Unterstützung von der Hamburger Arbeitsassistenz. Und Tide TV hat über ihn schon einen Beitrag gedreht. „Aber ich möchte weiterkommen“, sagt Sven Rosé. Flohmarkt kann noch nicht alles gewesen sein: „Ich möchte mehr Ausstellungen machen, als Künstler anerkannt werden.“

Wer Lust und freie Wände hat, um Bilder von Sven Rosé auszustellen, sollte sich bei ihm melden – er freut sich darüber: lieber.sven@
t-online.de, www.facebook.com/liebersven Die T-Shirts gibt es bei: Rosenblatt & Fabeltiere, Clemens-Schultz-Straße 43, Tel.: 28 49 28 78, www.rosenblatt-und-fabeltiere.de