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Vereins-Grundstück zum Sonderpreis: Wer baut, der bleibt!

Die Seelers zogen am Tag ihrer Hochzeit ins Eigenheim. Und nie wieder aus. Von Dieter Matz

Diese beiden HSV-Herren hatten einst Weitsicht. Das ist in der Neuzeit ja ein wenig zur Rarität verkümmert, aber „Onkel“ Paul Hauenschild, ehemaliger Präsident und großzügiger Mäzen des Vereins, und der damalige HSV-Trainer Günther Mahlmann entschieden Ende der 50er-Jahre, dass Uwe und Ilka, zu dieser Zeit ein Liebespaar, heimatlich gebunden werden sollen. Ihnen wurde ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück vom Gelände des HSV-Leistungszentrums Ochsenzoll zu einem Freundschaftspreis angeboten und dann auch verkauft.

Das Paar hatte ursprünglich eine Wohnung in Hamburg gesucht, aber die Wohnungspreise an der Elbe – und nicht nur hier – hatten damals schon schwindelerregende Höhen, sodass das Paar natürlich gern auf dieses großzügige Angebot zurückkam. Gebaut wurde ein schmuckes Eigenheim. Am Tage der Hochzeit, am 18. Februar 1959, zog das Ehepaar Seeler in die eigenen vier Wände.

Vorteil HSV. Als hätten es die Herren Hauenschild und Mahlmann damals schon geahnt oder gar gewusst: Im Frühjahr 1961 kam Inter Mailand in Person von Trainer Helenio Herrera, genannt „Il Mago“ (der Zauberer), nach Hamburg geflogen, um Uwe Seeler nach Italien zu locken. Mehr als eine Million D-Mark wurden dem Nationalstürmer für einen Wechsel geboten – aber der sagte nach einigen Tagen Bedenkzeit ab. Nicht nur, weil Erwin „Vadder“ Seeler seinem Filius geraten hatte: „Denk dran, mehr als ein Steak am Tag kannst du nicht essen.“ Sondern wohl auch deshalb, weil er sich samt seiner Familie in dem Nest im Weg am Sportplatz so wohlfühlte. Es ist bis heute so geblieben.

Dreimal wurde das seelersche Eigenheim vergrößert, um die fünfköpfige Familie und deren zwei Hunde zu beherbergen. Drei Töchter erblickten in den nächsten Jahren das Licht der Welt, da waren Kinderzimmer gefragt. Uwe trennte sich dazu eines Tages von seinem eigentlich lieb gewonnenen Swimmingpool. Was er noch Jahre später immer mal wieder bereute. In unmittelbarer Nähe des Elternhauses bauten sich später Tochter Frauke mit Ehemann Mete ebenfalls ein Häuschen – der familiäre Zusammenhalt der Seelers war schon immer vorbildlich, großartig und bodenständig zu nennen.

„Wir hatten schon hin und wieder mal überlegt, an die Elbe zu ziehen“, sagt Ilka Seeler. „Aber denn haben wir uns überlegt: Was wollen wir dann eigentlich den ganzen Tag machen? Die Elbe anschauen? Hier in Norderstedt haben wir doch unsere Freunde.“

Uwe wohnte so zwar nicht mittendrin, war aber in Ochsenzoll immer am Ball. Er hatte während seiner Karriere den kürzesten Weg zum Training, denn die Bundesliga-Mannschaft zog alsbald in das Trainingszentrum nach Norderstedt (Ochsenzoll) um. Und er trainierte auch nach seinem Karriereende noch immer fleißig mit den früheren Kollegen, um fit zu bleiben.

Hin und wieder, so es seine Zeit erlaubte, sah er sich auch Jugendspiele des HSV auf der Anlage an. Und für jeden Jugendlichen war es damals – wie auch heute – eine große Freude, Deutschlands Mittelstürmer-Idol Nummer eins auf der Paul-Hauenschild-Anlage zu treffen.