Ferienaktion

„Hip-Hop ist besser als Ponyreiten“

Bei den Sommer-Workshops von Asklepios und dem Verein „Kinder helfen Kindern“ konnten Mädchen und Jungs Tanzstile ausprobieren

Vor, vor, Pose. Links, links, klapp.“ Also, zwei wippende Schritte vor, dann die Faust gestreckt nach vorn. Zwei Schritte nach links, dann in die Hände klatschen. Dreizehn Kinder folgen Hip- Hop-Trainerin Tatjana Scherer konzentriert bei der kleinen Tanzfolge, die sie mit ihnen einübt. In einem großen Spiegel können die Mädchen und Jungen ihre eigenen Übungen verfolgen.

Am zweiten Tag ihres Sommer-Workshops an der HipHop Academy in Billstedt tanzen die Sechs- bis Zehnjährigen schon ein ganzes Lied durch und haben sichtlich Spaß an den Bewegungsfolgen. „Das ist viel besser als Ponyreiten!“, ruft Kiara. Die Sechsjährige ist ein richtiges Tanztalent und führt gemeinsam mit Etienne (9) und Shola (9) die Gruppe immer vorne an. „Ich mache gern so sportliche Sachen und habe auch mal Turnen ausprobiert. Aber Hip-Hop ist meine Sportart“, sagt die Kleine, die von ihrem Großvater Klaus Vogler zum Kurs gefahren wurde. Voglers Frau hatte von dem Workshop im Hamburger Abendblatt gelesen und die Enkelin gleich angemeldet. „Kiara ist begeistert und tanzt uns alle Schritte, die sie gelernt hat, zu Hause vor. Wenn sie Lust hat, kann sie gern weitermachen“, sagt der 73-Jährige.

Genau das war das Ziel der vier dreitägigen Workshops, die in einer Gemeinschaftsaktion von den Hamburger Asklepios-Kliniken und dem Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“ an der HipHop Academy in den Sommerferien organisiert wurden: um Kinder in Bewegung zu bringen und ihnen mit den verschiedenen Tanzkursen – es wurde noch Breakdance, House-Style und Newstyle angeboten – eine neue Sportart näherzubringen. „Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Bewegungsmangel. Das führt unweigerlich zu Übergewicht und auf Dauer auch zu gravierenden medizinischen Problemen. Tanzworkshops sind ein großartiges Mittel, um Kinder zu motivieren, fit zu bleiben, und Krankheiten vorzubeugen“, sagt Dr. Thomas Wolfram, Sprecher der Geschäftsführung der Hamburger Asklepios-Kliniken.

Auch bei Etienne hat es „klick“ gemacht, er ist voller Eifer dabei und ein begabter Tänzer wie Kiara. Während andere Kinder immer wieder von vorne anfangen müssen, kann der Neunjährige scheinbar mühelos den Schritten der Hip-Hop-Trainerin folgen. „Das ist so cool hier. Ich mache hier auf alle Fälle weiter“, sagt er leicht außer Atem.

Der Grundschüler aus Wandsbek macht derzeit keinen Sport. Er hat zwar schon mal Hockey und auch Fußball ausprobiert. „Aber das hat keinen Spaß gemacht. Da wurde ich immer gefoult und Freunde hatte ich dort auch keine“, sagt der kräftige Junge. Beim Workshop hat er sofort Anschluss gefunden, und mit kleinen Kennenlernspielen erreicht Trainerin Tatjana, dass alle in der Gruppe sich wohl- und sicher fühlen. Die 30-Jährige schafft es, die Kinder mit einem abwechslungsreichen Programm aus Choreografien, Spielen und Pausen bei Laune zu halten. Zudem gibt es kostenfrei frisches Obst und Getränke.

„In den jeweils drei Stunden geht es ja vor allem um den Spaß und ums Ausprobieren. Aber die Gruppe ist auch sehr entspannt und aufmerksam“, sagt die ausgebildete Choreografin. Obwohl manche die Tanzfolgen besser können als andere, bevorzugt sie kein Kind, lässt Einzelnen aber immer die Möglichkeit, den anderen ihr Können zu zeigen, indem sie fragt: „Wer möchte mal alleine vortanzen?“ Mit dabei sind immer Etienne, Shola, Kiara – und auch Djamila. Dass sie einmal allein vortanzt, hätte die Neunjährige nie von sich gedacht. „Ich bin eigentlich total schüchtern, aber hier fühle ich mich einfach wohl“, sagt Djamila.

Diese Erfahrung machen die Tanz-trainer häufiger bei ihren Schülern. „Man kann nach so einem Kurs den Eltern oder Freunden was Cooles vorführen, das gibt vielen Kindern und Jugendlichen enormes Selbstbewusstsein“, sagt Tatjana Scherer.

Gefragt sind Koordination, Kreativität und Ausdauer

Denn beim Hip-Hop, Breakdance oder New Style kommt es nicht auf Eleganz, Grazie oder schicke Kleidung an, sondern auf Kreativität, Musikalität, Koordination und Körpergefühl. All das hat Djamila – und da machen ein paar Kilo zu viel auch nichts aus, zumal schlabberige Klamotten zum Hip-Hop-Stil dazugehören. „Es gibt kaum eine Sportart, die so viele Elemente verbindet, denn Fitness und Ausdauer kommen mit der Zeit auch noch dazu“, sagt Scherer.

Bei der HipHop Academy, die zur Stiftung Kultur Palast Hamburg gehört, werden sonst junge Talente zwischen 13 und 25 Jahren professionell in mehreren Disziplinen gefördert. In die Academy kommen nicht nur Tänzer, sondern auch potenzielle Musikproducer, Beatboxer, Rapper, DJs oder Sänger und werden hier überwiegend kostenfrei von bekannten Trainern unterrichtet. Kurse für Jüngere gibt es bisher vor allem in den Ferien. „Aber wir würden unser Angebot gern noch mehr für Kinder ausweiten. Von daher waren diese Workshops für uns wichtig, um Jüngere für Hip-Hop und Breakdance zu begeistern“, sagt Intendantin Dörte Inselmann. Hip-Hop ist die größte Jugendbewegung der Welt und überwindet Grenzen. „Vor allem gibt es Prinzipien dieser Kultur, denen sich bei uns alle verpflichten: Offenheit, Toleranz und Gewaltfreiheit. Und Respekt, das ist das Wichtigste“, sagt Inselmann.

So lernen auch schon die Kleinen in den Sommer-Workshops von Asklepios und dem Abendblatt-Verein, dass unterschiedliche Talente, Große und Kleine, Dickere und Dünnere miteinander tanzen können – und dabei jede Menge Spaß haben.

Der Film zum Hip-Hop-Workshop unter:
www.abendblatt.de/hiphop