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Warum brennen Brennnesseln?

Man streift in kurzer Hose über die Wiesen oder am Waldrand entlang, schaut dabei nicht genau hin – und plötzlich fängt es am Bein an zu brennen. Erst sieht man nichts, aber es fühlt sich an wie Nadelstiche, dann, nach ein paar Minuten, bilden sich kleine Quaddeln mit Juckreiz. Und der hört auch eine ganze Weile nicht mehr auf. Das waren Brennnesseln.

Aber warum brennen die eigentlich? Ganz einfach: Sie wollen sich davor schützen, gefressen zu werden. Fast alle Tier- und Pflanzenarten haben einen solchen Abwehrmechanismus. Bei den Brennnesseln – wir haben bei uns meistens die Große und die Kleine Brennnessel – sind es sogenannte Brennhaare. Die muss man sich wie klitzekleine Röhrchen vorstellen, die meist auf der Blattoberseite angebracht sind. Die Spitze besteht aus einem seitwärts gerichteten Köpfchen, im unteren Ende des Röhrchens steckt die Brennflüssigkeit. Schon bei leichtester Berührung bricht das Köpfchen ab, und die Röhre entlässt die ameisensäurehaltige Flüssigkeit wie bei einer Spritze in die Haut des Opfers. Das ist aber meistens nicht schlimm und heilt von allein wieder.

Überhaupt ist die Brennnessel viel besser als ihr Ruf. Für die Raupen vieler Schmetterlingsarten zum Beispiel ist sie eine wichtige Futterpflanze. Und auch den Menschen kann sie sehr nützlich sein – wenn er sich traut. So schmecken vor allem die jungen Triebe im Frühjahr nicht nur als Spinatersatz, sondern sie enthalten auch viele wichtige Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium. Außerdem verfügen sie über doppelt so viel Vitamin C wie Orangen.