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Mein perfekter Sonntag

7 Uhr Wenn wir sonntags nicht mit dem Tandemclub Weiße Speiche, in dem Blinde und Sehbehinderte zusammen mit Sehenden Tandem fahren, eine Tour machen, geht es mit den Rädern zu unserem Garten in den Vier- und Marschlanden. Zuerst mit der Fähre von Övelgönne bis zu den Landungsbrücken. Dann durch die HafenCity über die Enteninsel, Kaltehofe und den Marschbahndamm.


8 Uhr In Hamburgs kleinster (?) und nettester (!) Backstube Lütte Backstuv holen wir bei Britta Brötchen. Britta: „Wollt ihr euch berauschen? Dann kann ich euch Mohnbrötchen empfehlen!“


9 Uhr Beim Gang durch den Garten freuen wir uns über die Wunder, die die Natur hervorbringt. Es blüht und duftet, es wächst und … wuchert. Doch seitdem ich Giersch und Co. zu Smoothies verarbeite, haben wir kaum noch „Un“-Kraut im Garten. Ich ernte für das Frühstück zarte Zucchini und Zuckererbsen. Zum Nachtisch Beeren aller Art. Lecker!


10 Uhr Endlich ist das Gemüse für den Rohkostteller geschnippelt. Auch Vögel und Eichhörnchen sind mit Futter versorgt. Es folgt ein ausgedehntes Frühstück mit Abendblatt. Ich schnappe mir stets als Erstes Karl Günther Barths „Brief aus der Mühle“.


12 Uhr Mein Herzallerliebster macht ein Nickerchen auf der Hollywoodschaukel. Ich buddele in den Beeten. Nie hätte ich gedacht, dass mir das so viel Freude machen würde. Nur mit den Nacktschnecken kann ich mich nicht so recht anfreunden …


14 Uhr Salat und Kräuter für die nächste Woche ernten. Und einen Blumenstrauß für die 93-jährige Mutter pflücken. Heute sind wir faul und lassen die Fahrräder im Garten. Mit dem HVV geht es nach Wandsbek zu meiner Mutter. Früher besuchte sie mich in der WG. Heute besuchen wir sie in der WPG (Wohnpflegegemeinschaft). Dort lebt sie zusammen mit acht Mitbewohnern und wird liebevoll umsorgt.


16 Uhr Nach dem Kaffee erzählen wir alte Geschichten: „Weißt du noch, wie du der dicken Eierfrau vom Rahlstedter Wochenmarkt aus Mitleid einen Pullover gestrickt hast?!!“ Die Mutter lacht: „Ja, und als der Pullover fertig war, wollte sie auch noch einen Rock!“


18 Uhr Abendbrot. Dann wird gesungen. Da dürfen natürlich die Lieblingslieder meiner Mutter, „Die Gedanken sind frei“ und „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, nicht fehlen.


20 Uhr Zum Abschied singen wir „Lasst euch nicht verdrießen, einmal muss man schließen …“ und fahren mit der Super-Bus-Linie 36 einmal quer durch die Stadt nach Hause.


22 Uhr Ein Bier für den Mann. Ein Hopfentee für die Frau. Perfekt!