Beratung

Hilfe für HIV-positive Schwangere

Foto: Corbis: Estelle Klawitter / (c) Estelle Klawitter/Corbis

Der Verein VHIVA Kids hilft Frauen, die mit dem Virus infiziert sind und begleitet auch deren Kinder

Für J. gab es keinen Anlass, einen HIV-Test zu machen. Sie erfuhr erst bei der Geburt ihres Sohnes, dass sie infiziert ist. Seitdem hütet sie ihr „großes Geheimnis“, auch in der Familie. Notlügen gehören zu ihrem Alltag, denn sie kann zum Beispiel nicht spontan bei jemandem übernachten, weil sie ihre Medikamente nicht dabei hat. Und für die regelmäßigen Arztbesuche findet sie immer neue Gründe. „Die meisten Frauen erfahren im Zuge der Schwangerschaftsvorsorge von ihrer Infektion“, sagt Ute Senftleben, Diplompädagogin bei VHIVA Kids – Familienleben mit HIV, einer Beratungsstelle in Eimsbüttel, die zur Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Hamburg e. V. (ajs) gehört. Sie und ihre Kolleginnen beraten, auch anonym, HIV-positive Schwangere, Eltern und Pflegeeltern eines HIV-positiven Kindes und HIV-positive Jugendliche.

Zurzeit kommen zunehmend Schwangere mit Migrationshintergrund zu VHIVA Kids, die zum Teil weder krankenversichert sind, noch eine Unterkunft haben. Die Beraterinnen begleiten die psychisch sehr belasteten Frauen dann auch zu Ärzten, Behörden oder Anwälten. Für viele sei die Diagnose schlimmer als Krebs, sagt Ute Senftleben, denn „die Diskriminierung ist in ihrer Heimat noch sehr groß. Doch mit Therapie sind die Lebenschancen inzwischen sehr gut.“ Würden die Frauen medikamentös entsprechend versorgt, seien unter einem Prozent der Neugeborenen infiziert. Auch HIV-positive Menschen, die sich ein Kind wünschen, werden von VHIVA Kids beraten und betreut.

Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Immundefekt-Sprechstunde der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE. „Wir haben eine Gruppe mit vier Jungs zwischen zehn und 14 Jahren. Ihnen wird dort erklärt, wie die Krankheit funktioniert. Die Kinder wissen, dass mit ihrem Blut etwas nicht in Ordnung ist“, sagt Ute Senftleben. „Erst am Schluss der Treffen kommt ein Arzt aus dem UKE dazu und sagt, um was es sich handelt.“ Wann ein Kind den Namen der Krankheit erfahren sollte, ist ein heikles Thema. „Pubertät ist sowieso eine schwierige Zeit. Wir versuchen mit allen Mitteln zu verhindern, dass Kinder das erst so spät erfahren.“

Niemand ist in Deutschland verpflichtet, mitzuteilen, dass er HIV-positiv ist, doch wenn Eltern ein infiziertes Kind in eine Kita schicken möchten, sind sie auf die Hilfe der Erzieher angewiesen. „Wir rufen dann in der Kita an und bieten eine Begleitung an“, sagt Senftleben. Die Geschäftsführerin des ajs, Sigrid Ruppel, wünscht sich hier mehr Aufklärung, denn wenn sich jemand „outet“, weil Medikamente eingenommen werden müssen, wie auf einer Klassenfahrt, „herrscht oft große Panik“. Trotzdem würden Fortbildungen dazu häufig abgelehnt, da das Thema HIV nur wenige betreffe.

Eine moralische Abwertung gebe es immer noch in der Gesellschaft, auch deshalb sei die Arbeit von VHIVA so wichtig. „Ein Großteil der Familien würde nicht zu Aidshilfe-Stellen gehen. Doch wenn ich mich bei Behörden melde und sage, ich komme von VHIVA Kids, ist nicht gleich zu erkennen, dass es sich um jemanden mit HIV handelt“, so Senftleben. Der 32-jährigen D. half der Verein über längere Zeit. Sie war vom Vater ihrer inzwischen fünfjährigen Tochter infiziert worden. Das Kind ist zum Glück gesund. Doch man dürfe über HIV niemals offen reden, da einem „ein Strick daraus gedreht“ werde, sagt D. Die Beraterinnen hätten sie mit „offenen Armen“ aufgefangen, so dass sie sich nicht mehr so allein gefühlt habe. „Ich kann wieder lachen und habe meinen Lebensmut zurückbekommen.“ Gerne würden die VHIVA-Mitarbeiterinnen noch mehr für die von ihnen betreuten 90 Familien mit 178 Kindern tun, doch dafür reichen die finanziellen und personellen Möglichkeiten oft nicht. Deshalb sind Spenden willkommen. (hw)

VHIVA Kids – Familienleben mit HIV, Hellkamp 68, Tel. 410 98 00,
E-Mail: kinder@ajs-hh.de