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„So, nun haben Sie Ihr erstes Selfie gemacht“

Janko Thyson erklärt Karla Krüger

Janko Thyson erklärt Karla Krüger

Foto: Michael Rauhe

Der Verein „Wege aus der Einsamkeit“ erklärt Senioren den Umgang mitTablet und Smartphone – auch 91-Jährige haben noch Spaß daran

Morgens um zehn in Hohenfelde geht es sofort zur Sache im Kurs „Wir versilbern das Netz, das 1x1 der Smartphones und Tablets“. Vier Frauen im Alter von 82 bis 91 Jahren haben ihre Geräte startbereit vor sich auf dem Tisch liegen. Dagmar Hirche, Vorsitzende des Vereins „Wege aus der Einsamkeit“ (WadE), beginnt mit einer Einführung in die Welt der Betriebssysteme, Apps und Provider. Ein Video zeigt, wie groß die Kluft zwischen den Generationen oft ist, wenn es um aktuelle Kommunikationsmittel geht: Tochter und Vater kochen zusammen. „Papa, wie kommst du mit dem neuen iPad klar?“ „Gut!“, sagt dieser und hackt weiter Kräuter auf seinem Tablet, gibt sie in den Topf und und stellt dann das iPad in den Geschirrspüler.

Söhne, Töchter oder Enkel haben den Kursteilnehmerinnen zwar schon bei der Einrichtung und Bedienung ihrer Elektronikteile geholfen, doch in der Praxis hapert es noch an vielem. Alle sind sich einig: „Die jungen Leute erklären viel zu schnell. Sie tippen ruck, zuck. Da kommt man gar nicht mit.“ Schnell wird klar, dass bereits die Grundbegriffe unbekanntes Terrain sind. So beschreibt Dagmar Hirche Schritt für Schritt, was „Browser“ oder „Router“ bedeutet, wofür die SIM-Karte genutzt wird, was Skypen ist. Und sie hat praktische Tipps: „Geben Sie wenn möglich keine Daten – wie Ihren Namen oder die Kontoverbindung – von sich preis, denken Sie 37-mal darüber nach, ob das wirklich sinnvoll ist.“ Und man dürfe im Netz ausgedachte Namen verwenden. Auch über Verträge, WLAN und Musikhören informiert die 59-Jährige. Nach einer Stunde Theorie raucht den Damen der Kopf, doch sie freuen sich, dass es nun losgeht mit dem Ausprobieren.

Die Technik erweist sich hierbei als ebenso schwierig wie der Aufbau mancher Homepage. „Jetzt haben Sie aus Versehen zur Seite gewischt“, sagt Janko Thyson, der gemeinsam mit Dagmar Hirche unterrichtet. Auf „guten Seiten zum Üben“ wird gescrollt und getippt, mal verschwindet oder erscheint etwas ungewollt. Dafür gibt es den „Nach-Hause-Knopf“ – und dann bitte noch mal von vorn. Schließlich hat jede den richtigen Zug von Hamburg nach Berlin gefunden. Fotografieren können die Geräte auch. „Sie drücken jetzt da mal drauf und gucken freundlich“, sagt Dagmar Hirche und die Anspannung in Irmgard Draves Gesicht weicht einem Lächeln, „so, nun haben Sie Ihr erstes Selfie gemacht.“

Dem Verein geht es darum, Menschen über 65 Jahren die Scheu vor der Technik zu nehmen, damit sie sich auch in der virtuellen Welt zurechtfinden. Insgesamt drei Stunden dauert der Kurs, der sich aus Spenden finanziert. Den vier Damen hat es Spaß gemacht und weitergeholfen. „Mit 65 hab ich Autofahren gelernt und jetzt will ich dies lernen – ein Spätzünder eben“, sagt Karla Krüger, mit 91 Jahren die Älteste in der Runde. Besonders gefreut hat sie, dass Dagmar Hirche ihr gezeigt hat, wie sie ihr Kartenspiel bedienen muss. Die Unternehmensberaterin gibt ihren Schülerinnen noch etwas mit auf den Weg. „Zu Hause bitte üben!“

Termine für Tablet-Kurse je nach Nachfrage.
Tel. 32 51 83 17 (Freunde alter Menschen e. V.) oder
Tel. 422 36 22 32 00 (Wege aus der Einsamkeit e. V.), Infos: www.wegeausdereinsamkeit.de Online-Banking: Ganz neu bietet WadE am
12. und 18. Mai um 10 Uhr kostenfreie Gesprächsrunden an zum Thema: „Wir versilbern das Netz. Das 1x1 des Online-Bankings für Menschen 65+“ zusammen mit der Haspa Region Barmbek. Anmeldung unter: Telefon 35 79 56 66 (Haspa) oder per E-Mail: info@wegeausdereinsamkeit.de