Kolumne

Liebe Leserinnen, liebe LeserLiebe Leserinnen, liebe Leser

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: HA / A.Laible

Die Arbeit des Vereins „Gefangene helfen Jugendlichen“ ist vorbildlich. Denn sie bietet ehemaligen Häftlingen eine Chance

Jeder verdient eine Chance, auch wenn es manchmal schwerfällt, diese Position zu vertreten. Gerade wenn man Opfer eines Verbrechens wurde oder dessen Angehöriger ist. Doch bei uns gibt es einen Rechtsstaat, und der ermöglicht Tätern die Rehabilitierung nach abgesessener Strafe. Allerdings ist es für ehemalige Häftlinge oft sehr schwer, wieder Anschluss an die Gesellschaft zu bekommen. Sie müssen gegen Vorurteile kämpfen und vor allem sicherstellen, dass sie nicht in ihr altes Milieu zurückkehren.

Deswegen ist die Arbeit des Vereins „Gefangene helfen Jugendlichen“ so vorbildlich. Denn die Mitarbeiter verschaffen Häftlingen nicht nur Kontakte zur Außenwelt und helfen später bei der Integration in die Gesellschaft, sondern die Vereinsarbeit lässt sie auch ihre Taten reflektieren und damit verarbeiten. Nur reuige Häftlinge dürfen mit Jugendlichen sprechen und ihnen die Folgen ihrer Taten erklären. Das ist authentisch und für viele gefährdete Jugendliche sicher noch wirkungsvoller, als wenn allein ein Sozialpädagoge ihnen ins Gewissen redet. Viele der Jugendlichen, die das Gefängnis besuchen, nehmen teil an einem Projekt des Rauhen Hauses, das die 2. Chance heißt – denn auch sie brauchen diese.