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Musical-Macher mit Herz

Schauspieler und Regisseur Christian Berg im Hamburger Sprechwerk

Schauspieler und Regisseur Christian Berg im Hamburger Sprechwerk

Foto: Mark Sandten / HA / Mark Sandten

Der Regisseur Christian Berg wirbt bei seinen Familienmusicals künftig um Spendenfür den Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“.

Ein Anti-Held, genau das bin ich“, sagt Christian Berg. Paff, das sitzt. Und hört sich komisch an bei einem so bekannten Schauspieler und Regisseur, der Kinder in ganz Deutschland mit seinen Familienmusicals begeistert. Gehört so einer nicht eher zu den wahren Helden? Und was ist überhaupt ein Anti-Held? „Na ja, ich bin kein klassischer Adonis, eher schwach als stark, und spiele schon immer gern den Clown“, sagt Christian Berg. Zum Besuch beim Abendblatt kommt der 49-Jährige mit Sakko und Hemd, dem gepunkteten Schal und den dunklen Schuhen jedoch fast konservativ daher. Na gut, der Hut mit bunter Feder ist vielleicht etwas extravagant. Doch auf der Bühne liebt Berg richtig schrille Verkleidungen, zeigt sich gern auch mal als Rumpelröschen in goldenen Leggings und mit rosa Tutu. So trat er zum Beispiel bei seinem Stück „Schneewittchen“ auf.

Den Clownberuf hat der Cuxhavener sogar professionell gelernt. Während andere Jungen Polizist, Feuerwehrmann oder Astronaut werden wollen, also Helden des Alltags, wollte Berg immer schon im Zirkus arbeiten. Mit 16 Jahren beendete er die Schule und ging mit einem tschechischen Clown auf Tournee, später arbeitete er beim Schweizer Zirkus Stey, bevor er Mitte der 80er-Jahre in Hamburg auf die Schauspielschule ging. „Die lustige Rolle bleibt dabei nach wie vor meine erste Wahl“, sagt er und lächelt.

Es ist eine Rolle, die er schon in der Schule innehatte, als er nach einem Schädelbasisbruch im Kleinkindalter immer wieder spastische Lähmungserscheinungen zeigte. „Bis ich 14 war, hielt das an. Ich war schlecht in Sport, unkoordiniert in den Bewegungen, aber immer mit einer riesigen Klappe ausgestattet. So wurde ich der Klassenclown“, sagt er ernst.

Vielleicht liegen ihm aufgrund dieser Erfahrung die benachteiligten, behinderten und kranken Kinder so besonders am Herzen. Sie will er dieses Jahr über den Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“ unterstützen. Nach jeder seiner Vorstellungen in einem der Hamburger Theater möchte er zu Spenden für den Abendblatt-Verein aufrufen. „Mir gefällt, dass ,Kinder helfen Kindern‘ so vielfältig aufgestellt ist und auch bei Einzelschicksalen hilft“, begründet Berg seine Wahl.

Den Auftakt zu seinem Engagement bildet am 18. März das Familienmusical „Vom Fischer und seiner Frau“ im Hamburger Sprechwerk. Einen Tag zuvor lädt der norddeutsche Schauspieler über den Abendblatt-Verein Kinder aus sozial schwachen Stadtteilen zu einer Vorpremiere ein.

Ab dem 3. April gibt es eine Wiederaufnahme seines erfolgreichen Stücks „Oliver Twist“ im Altonaer und Harburger Theater, im Herbst wird er für diese Bühnen „In 80 Tagen um die Welt“ inszenieren. Und zu Weihnachten ist das „Das Gespenst von Canterville“ am Theater Winterhuder Fährhaus geplant.

Der Vater eines 14-jährigen Jungen liebt die klassischen Kinderbücher, die er neu interpretiert und mit Musik unterlegt, gern auch gemeinsam mit Liedermacher Konstantin Wecker, mit dem er unter anderem bei „Oliver Twist“ und dem „Kleinen Lord“ zusammenarbeitete.

„Mich reizt es, Kindern erste Schritte in die Literaturwelt zu zeigen“, sagt Berg. In der Musicalform sieht er ein gutes Mittel, um Kinder in die Geschichte zu ziehen. Zudem ist Mitmachen und Mitsingen ein Muss – auch für die Eltern.

Wenn er so seine Erfolge aufzählt, scheint es, als führe er ein Leben auf der Überholspur, immer weiter, immer höher. Doch Christian Berg spricht auch von den Schattenseiten seines Lebens, der Bruchlandung, die er vor drei Jahren erlitt – beruflich und privat. Sein Tourneetheater ging pleite. „Ich habe unglaublich viel gearbeitet und das Geschäftliche anderen überlassen. Davon habe ich einfach keine Ahnung und war ziemlich gutgläubig“, sagt er ganz offen. Er sei darüber hinweg, meint er. Denn statt weiterhin selbstständig Stücke zu produzieren, lässt der Regisseur sich nun von den Theatern anstellen. „Das hat eine ganze Menge Druck von mir genommen. Denn jetzt zahlen die Theater meinen Lohn. Und das Jahr lässt sich viel besser kalkulieren.“

Nach einer Krise hat Berg sein Leben verändert, bleibt viel in Cuxhaven

Doch den „Tiefpunkt meines Lebens“ hat auch seine zweite Ehe nicht überlebt. Zumindest versteht er sich mit seiner ersten Frau, der Mutter seines Sohnes Mat­theus, gut. „Wir sind immer noch wie eine Familie und wohnen nahe beieinander.“

Er hat sein Leben und seinen Mittelpunkt seit der Krise verändert. Während Christian Berg früher oft wochenlang unterwegs war, versucht er nun so viel wie möglich in seiner Heimatstadt Cuxhaven zu sein. So spielt Berg auch nur in seinen Hamburger Musicals noch selber mit. Manchmal begleitet ihn dabei sein Sohn. „Mat­theus ist unheimlich inspirierend für mich. Seine Ideen fließen bei vielen meiner Stücke mit ein.“

Bergs Gesicht wird weich, als er von dem Moment vor Jahren erzählt, als er von schlechtem Gewissen geplagt nach wochenlanger Abwesenheit wieder zu Mattheus kam. „Da sagte der kleine Bursche zu mir: ,Papa, du musst dir um meine Liebe keine Sorgen machen, die ist immer automatisch da.‘“

Und es ist genau das, was Christian Berg an Kindern so liebt: das Direkte und Unverstellte. Kinder tragen ihre Gefühle und Begeisterung nach außen. „Und sie haben so viel Fantasie, dass aus einem Theatersaal plötzlich ein großer Ozean werden kann.“ Wer das erleben möchte, sollte sich unbedingt „Vom Fischer und seiner Frau“ im Hamburger Sprechwerk anschauen.