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Mein perfekter Sonntag

9 Uhr Ich stehe auf und trinke einen Kaffee, während ich mir die Nachrichten angucke. Dann mache ich Frühstück für meine hochschwangere Frau, und wir lassen uns Vollkorn-Produkte, Müslis und Joghurt und ein warmes Croissant schmecken. Hm, lecker …!


10.30 Uhr Hausputz. Wir haben zwei Katzen, deren Klos ich reinige und deren Haare, die überall verteilt sind, ich entferne.


12.30 Uhr Gestern hat meine Frau Hähnchen und Rippen eingekauft, um mir heute mein Lieblingsgericht von den Philippinen zu kochen, Adobo. Da ist viel Sojasauce und sehr viel Knoblauch drin, was mir für Rachel (die meine Bühnenpartnerin „Christine“ spielt) leidtut – aber sie sagt, dass es sie nicht stört. Na dann … Die zerkleinerten Fleischstücke werden langsam in einem Sud gekocht und anschließend im Ofen knusprig gebraten. Die ganze Wohnung duftet, und wir genießen zusammen das leckere Essen. Gutes Essen ist definitiv gut für die Seele.


14.30 Uhr Mit der Einrichtung des Kinderzimmers sind wir in den letzten Zügen, aber immer noch nicht ganz fertig. Während ich die Wände bunt streiche und das Babybett aufbaue, kümmert meine Frau sich liebevoll um die letzten kleinen Dekoteile im ­Zimmer der kleinen Prinzessin. Ihr Name prangt schon an der Tür: Lilya Aurora.


16 Uhr Wir bummeln zu einem kleinen Café an der Osterstraße, wo wir uns herrlichen Kuchen und einen Latte macchiato gönnen. Diese Sünde muss am Sonntag immer sein.


18 Uhr Los geht’s für mich zur Arbeit! Ich bin immer der Letzte, der im Theater ankommt, und der Erste, der wieder raus ist. Ich mag das Warten auf den Aufritt gar nicht. Ich liebe es, einfach schnell in die Kostüme zu springen und zu spielen. Immer noch, nach so vielen Rollen und Stücke, kann ich mir keinen schöneren Beruf vorstellen. „Raoul“ ist eine interessante und wunderbare Rolle. Er ist vielleicht ein bisschen unsympathisch angelegt, aber für mich ist er ein durchaus ehrlicher und sympathischer Mensch, der Fehler hat – wie eben alle normale Menschen.


19 Uhr Die Abendvorstellung beginnt! Wenn ich nicht auf der Bühne bin, dann schaue ich immer wieder auf mein Handy, denn bei meiner Frau könnten jeden Moment die Wehen losgehen … In der Pause rufe ich zu Hause an und vergewissere mich, dass es ihr gut geht.


22 Uhr Die Show ist zu Ende, und ich bin, schon bevor der Dirigent den letzten Ton anschlägt, raus aus dem Operettenhaus. Darüber amüsieren sich alle Kollegen im Theater, aber sie wissen ja mittlerweile, warum. Wenn es bei meiner Frau noch nicht losgeht, dann trinke ich zum Abschluss der Woche ein Glas guten roten Amarone- Wein und schaue mir einen Film an – mit meiner Frau in meinen Armen, die natürlich Wasser trinkt. Gute Nacht, Hamburg. Bald sind wir zu dritt! Lilya Aurora, wir freuen uns auf dich.