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Obstretter sucht Baumbesitzer

Es ist Erntezeit und es gibt ehrenamtliche Pflücker

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Es ist Erntezeit und es gibt ehrenamtliche Pflücker

Der Verein pflück.org vermittelt ehrenamtliche Erntehelfer. Die Früchte werden geteilt, ein Drittel geht an soziale Einrichtungen der Stadt

Die Äpfel sind reif und können runter vom Baum. Doch jedes Jahr fällt tonnenweise Obst in Hamburgs Privatgärten einfach auf den Boden und verkommt. Denn viele Baumbesitzer haben keine Zeit, die Früchte rechtzeitig zu ernten. Andere fühlen sich dazu gesundheitlich nicht fit genug.

Ihnen hilft pflück.org: Nach dem Motto "Lass Dein Obst nicht hängen" bringt der Verein überlastete Baumbesitzer und fleißige Erntehelfer zusammen. Die ehrenamtlichen Obstpflücker rücken zum vereinbarten Termin mit Leitern und Pflückstangen an und füllen ihre Obstkisten. Der Ertrag wird geteilt: Ein Drittel der Früchte behält der Baumbesitzer, ein weiteres Drittel dürfen die Erntehelfer als Entlohnung mit nach Hause nehmen. Das letzte Drittel spendet der Verein an soziale Einrichtungen und hilft so der ganzen Stadt. "Wir arbeiten unter anderem mit der Hamburger Tafel und mehreren Kindergärten zusammen", erklärt Laura Ludwig, 25, Gründungsmitglied von pflück.org. Der Verein wurde im Frühjahr 2014 ins Leben gerufen und konnte bereits im vergangenen Jahr mehr als 640 Kilogramm Obst retten. "Auch in dieser Saison läuft die Ernte sehr gut", sagt Laura Ludwig.

Ob Äpfel, Pflaumen oder Brombeeren: Wer seine Früchte von den freiwilligen Helfern pflücken lassen will, meldet seinen Obstbaum oder -strauch über das Internet oder telefonisch bei pflück.org an. "Am besten ein bis zwei Wochen bevor das Obst reif ist, damit uns genug Zeit für die Organisation der Ernte bleibt", sagt Ludwig. Auf einer Online-Plattform sehen die inzwischen rund 300 Helfer dann den Pflücktermin und registrieren sich dafür. "Jeder, der Lust hat, kann bei uns mitmachen", sagt die Vereinssprecherin.

Vorbilder für den Verein waren ähnliche erfolgreiche Projekte in Toronto (Kanada) und Portland (USA). Auch in Hamburg hat das junge Team von pflück.org bereits viel Zuspruch erfahren: "Das ermutigt uns dranzubleiben", sagt Laura Ludwig. "Wir sind immer offen für neue Ideen."

Inzwischen arbeitet der Verein auch mit Bezirksämtern und dem BUND zusammen und erntet zusätzlich auf einer städtischen Streuobstwiese. Im vergangenen Jahr fand außerdem ein Erntetag mit Schülern der Stadtteilschule Eppendorf statt. Ziel: das Bewusstsein der Kinder für heimische Obstsorten und nachhaltige Nahrungsmittel zu fördern.

Zukünftig möchte pflück.org noch mehr Früchte vor dem Verfaulen bewahren. Dafür sucht der Verein weitere Obstbäume und Erntehelfer. Auch benötigt er dringend zusätzliches Erntematerial wie Leitern oder Pflückstangen. Laura Ludwig: "Wir sind dankbar für jede Geld- oder Sachspende, denn es liegt noch viel Arbeit vor uns."

Mehr Informationen und Anmeldung im Internet unter www.pflueck.org oder Tel. 646 311 88

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