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Mitten aus dem Leben gerissen

Golfer Niklas Braak

Golfer Niklas Braak

Foto: privat

Niklas Braack starb mit 18 an den Folgen einer Schwäche seines Bindegewebes. Jetzt veranstaltet die Familie ein Charity-Golfturnier

Rainer Grünberg

Niklas Braack starb am 10. Oktober des vergangenen Jahres. Er spielte leidenschaftlich Golf, hatte gerade seinen Führerschein gemacht, stand vor dem Abitur und war kurz davor, ein Schülerpraktikum bei Lufthansa Technik in Fuhlsbüttel zu beginnen. Alle Türen des Lebens standen ihm offen.

Niklas wurde 18 Jahre alt. Weshalb er sterben musste, ob sein früher Tod hätte verhindert werden können, ist bis heute nicht bis ins letzte Detail geklärt. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen nicht abgeschlossen. Mediziner unterschiedlicher Fakultäten beschäftigt der Fall, die Eltern quält weiter die Frage: „Hätten wir irgendetwas anders machen müssen?“. Sicher scheint nur: Niklas litt unter einer sehr seltenen Bindegewebserkrankung, möglicherweise war sie vererbt. Beim Schlagtraining im Golfclub an der Pinnau riss von ihm unbemerkt seine Hauptschlagader, die Aorta, ein. Das war am 4. Oktober.

Die ersten Anzeichen lassen nichts Schlimmes erahnen: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Vater Hauke Braack, in den 1980er-Jahren beim HSV einer der besten Volleyballer des Landes, fährt seinen Sohn in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Die Braacks – Hauke, Gabriele, beide 51, Tochter Nina, 21, Bundesliga-Volleyballerin beim VT Aurubis Hamburg – leben in Quickborn. Die Untersuchungen in der Notaufnahme führen zu keinen klaren Ergebnissen, auch beim zweiten Mal einen Tag später nicht, als sich Niklas‘ Zustand nach einer Phase kurzer Besserung verschlechtert hat. Die Familie konsultiert weitere Ärzte. Entscheidende Hinweise erhält sie nicht. Selbst ein niedriger Puls, 40 Herzschläge in der Minute, den gewöhnlich nur Leistungssportler im Ruhezustand haben, macht außer den Braacks niemanden misstrauisch.

Sechs Tage nach den ersten Symptomen kollabiert Niklas zu Hause. Der Notarzt lässt ihn mit Blaulicht ins Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) fahren. Dort stellen Mediziner nach einer Computertomographie des Oberkörpers die richtige Diagnose: Dissektion der Aorta. Einblutungen zwischen den Wandschichten haben die Arterie inzwischen reißen lassen. Die eingeleitete Notoperation kommt zu spät. Niklas ist bereits innerlich verblutet. Er stirbt in den Armen seines Vaters.

„Niklas hätte höchstwahrscheinlich und auch noch in einem späteren Stadium gerettet werden können, wären die Ursachen seiner Schmerzen rechtzeitig erkannt und behandelt worden“, sagt der Gefäßchirurg Prof. Sebastian Debus, 53, der Direktor des Universitären Herzzentrums am UKE. Dass sie bei einem jungen Menschen wie Niklas sechs Tage lang nicht entdeckt wurden – das ist die Tragik dieser Geschichte – ist nichts Ungewöhnliches, weil diagnostische Standardmethoden wie Ultraschall und Röntgen gewöhnlich nicht auf die richtige Spur führen. Gefäßerkrankungen kündigen sich in der Regel nicht an, sie sind schleichende Killer wie die Volkskrankheit Bluthochdruck. Vor allem ältere Menschen, meistens Männer, sind von ihnen betroffen. Unspezifische äußerliche Anzeichen für erbliche Gefäßerkrankungen, dem sogenannten Marfan-Syndrom, unter dem Niklas Braack wohl litt, gibt es dennoch.

Ein schlanker Körperbau, überdehnbare Gelenke, ein schmaler Kiefer mit schief stehenden Zähnen, Trichter- oder Kielbrust, Veränderungen an der Wirbelsäule könnten Hinweise sein. „Niklas war sehr schlank“, sagt Hauke Braack, „aber das fällt uns erst im Nachhinein auf, weil wir jetzt auf mögliche Zusammenhänge aufmerksam geworden sind.“

Aufmerksamkeit und Sensibilität seiner Kollegen für die Diagnose von Gefäßerkrankungen – wie einer krankhaften Erweiterung der Aorta – systematisch zu schulen, das haben sich Prof. Debus und sein Team, das aus Ärzten verschiedener Fachbereiche besteht, seit Jahren am UKE zur Aufgabe gemacht. „Wir müssen die Früherkennung deutlich verbessern“, sagt Debus. Heute dauere es meist bis zu einem halben Jahr, bis die exakte Diagnose feststehe. „Gelingt es der Forschung, zum Beispiel anhand von Blutmarkern oder Proteinen Gefäßerkrankungen frühzeitig zu erkennen, könnten wir mit der Behandlung weit eher beginnen.“ Gefäßerkrankungen seien heilbar, sagt Debus. Mit schonenden minimalinvasiven Operationsmethoden, den Einsatz von Stents, würden bereits heute dauerhafte Erfolge erzielt: „Werden Gefäßerkrankungen richtig und rechtzeitig behandelt, behält der Patient seine ganz normale Lebenserwartung.“

Um die Forschung und die Arbeiten am UKE durch Spenden zu unterstützen, haben die Braacks jetzt ein Charity-Golfturnier ins Leben gerufen. „Wir wollen helfen, damit anderen besser geholfen werden kann als unserem Niki“, sagt Hauke Braack. Der Niklas-Braack-Charity-Golf-Cup wird am Sonntag, den 5. Juli, im Golfclub an der Pinnau das erste Mal gespielt. Er soll künftig jedes Jahr stattfinden. Die Einnahmen gehen an das UKE-Herzzentrum. „Wir sind dankbar für diese Initiative“, sagt Prof. Debus, der in den vergangenen Monaten die Platzreife gemacht hat, um mitspielen zu können.

Infos zum Turnier gibt es unter www.niklas-charity-golf-cup.de. Spenden bitte auf das Sonderkonto der Haspa: IBAN DE36200505501009810803,
Verwendungszweck: „Golfturnier“.

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