Kolumne

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Wenn ein Kind missbraucht oder verletzt wird, wird dem Jugendamt oft die Schuld zugeschoben, dabei wird vergessen, dass die Eltern verantwortlich sind.

Ein Baby wird vom Vater schwer am Kopf verletzt, das war erst vergangene Woche. Kinder werden vom Jugendamt in Noteinrichtungen oder in die Mattisburg gebracht (siehe Artikel) und so vor ihren Eltern gerettet. Es ist unfassbar, was Mütter und Väter ihren Kindern antun – und das Schlimme ist, wir können es nicht verhindern. Missbrauch und Gewalt passieren in vielen Familien, reichen wie armen, gebildeten wie ungebildeten.

Auch wenn man bei betreuten Familien schnell dabei ist, die Schuldigen an einem Verbrechen in den Jugendämtern und Hilfsstellen zu suchen, ist das doch zu kurz gegriffen. Die Täter sind die Eltern, sie sind letztendlich verantwortlich. Doch man kann Eltern nicht rund um die Uhr überwachen und Kinder wiederum auch nicht einfach so aus Familien nehmen. Denn so ein Akt ist schwer traumatisierend für Jungen und Mädchen, die – egal, was diese ihnen antun – an ihren Eltern hängen. Das habe ich in den von mir besuchten Schutzhäusern immer wieder erfahren. Deswegen ist es gut, wenn die Eltern in Therapien mit einbezogen werden und wenn es möglich ist, der Kontakt bestehen bleibt – falls das Kind es möchte. Sein Wohl muss immer im Mittelpunkt stehen.