Erziehung

Wenn aus Liebe Hass wird und Kinder zu Opfern werden

Ich bin die Großmutter eines siebenjährigen Kindes, das meiner Tochter durch den Vater entfremdet wurde. Mein Enkel lehnt seit zwei Jahren jeden Kontakt zu meiner Tochter und auch zu mir und meinem Mann ab. Dieser endgültige Beziehungsabbruch ist bisher der Höhepunkt eines Albtraums, der seit Jahren andauert. Die gezielte Entfremdung eines Kindes von einem Elternteil mit fatalen Folgen für die seelische Entwicklung ist, davon bin ich überzeugt, seelischer Missbrauch. Bei Jugendämtern und Familiengerichten hat sich diese Erkenntnis noch wenig durchgesetzt, und es wird höchste Zeit, dass auch diese Institutionen "aufwachen", um Kinder vor seelischen Schäden, die sie lebenslang beeinträchtigen können, zu bewahren. Untätigkeit dabei ist Mittäterschaft!

Ellen S. (53).

Es antwortet der Erziehungsberater Dr. Jan-Uwe Rogge :

Jedes Kind braucht Bezugspersonen, auf die es sich gefühlsmäßig und bedingungslos verlassen kann, weil es sich ansonsten alleingelassen fühlt. Erwachsene - egal ob Eltern oder Großeltern - sollten sich dieser Verantwortung stets bewusst sein. Kinder brauchen Halt und Geborgenheit, aber nicht Erwachsene, die an ihnen zerren, ihr egozentrisches Machtstreben an den Kindern austragen. Dann werden Kinder zu Opfern gemacht, dann können sich bei ihnen schnell Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit aufbauen, die sich negativ auf ihr Streben nach Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit auswirken. Eines wird häufig übersehen: Partnerschaft, die Beziehung von Mann und Frau können auseinandergehen, aber die Elternschaft bleibt bestehen, Vater und Mutter ist man ein Leben lang. Nur im Vertrauen darauf, vermögen Kinder Abschiede und Trennungen auszuhalten und zu verarbeiten. Wenn Eltern gegenseitige Rachegefühle über ihre Kinder austragen, sind Jugendämter und Familiengerichte mehr denn je gefordert, zum Wohle des Kindes zu entscheiden. Auch Eltern brauchen Grenzen.