Kommentar: Hamburgs Schulentwicklungsplan

Ein Ritt auf der Rasierklinge

Peter Ulrich Meyer

Fast alle Hamburger Schulentwicklungspläne, die in den vergangenen Jahren auf Eltern, Schüler und Lehrer niedergingen, lösten Stürme des Protests aus. Immer ging es im Kern um Schulschließungen und damit um Einsparungen, die nun einmal unbeliebt sind.

Insofern hat Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) mit ihrem neuen Plan leichtes Spiel: Nur ein einziges Schulgebäude soll aufgegeben werden, die Ausgaben für den Schulbereich klettern nach oben.

Die Standortplanung aus dem Hause Goetsch ist ein Dokument des Kompromisses. Der Koalitionspartner CDU hat an einigen Standorten eine stärkere Kooperation von Primarschulen und Gymnasien durchgesetzt. Das kann die Akzeptanz dort erhöhen, wo die Kritiker besonders zahlreich sind. Dennoch ist die Handschrift von Goetsch unverkennbar: Es wird nur eine einzige Ausnahme von der starren Regel geben, dass nach Klasse sechs ein freier Wechsel von jeder Primarschule aus möglich ist.

Entscheidend sind aus Sicht der Eltern jedoch zwei nach wie vor offene Fragen. Zum einen muss sich noch erweisen, ob der Plan angesichts der prekären Lage des Haushalts wirklich finanzierbar ist. Wenn Abstriche an den schönen Neubauten vorgenommen werden, bröckelt auch die Zustimmung.

Zweitens: Was passiert eigentlich, wenn der Volksentscheid gegen die Einführung der Primarschule erfolgreich ist? Goetsch hat angeblich keinen Plan B. Eins ist sicher: Das Chaos an den Schulen wird dann perfekt sein und die Verunsicherung der Eltern immens. Mit einem Wort: Die schwarz-grüne Schulreform bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge.

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