Lernen auf der Baustelle

Am neuen Standort der Stadtteilschule Horn kehrt nach chaotischen Wochen erst langsam Normalität ein

Horn. Kein Trinkwasser, kein Telefonanschluss, keine Tafeln, keine Möbel in den Klassenzimmern, keine Farbe an Wänden und Ärger mit den Eltern. Darauf hätte Dieter Koch ganz gut verzichten können. Seit den Sommerferien musste der Schulleiter der Stadtteilschule Horn unter erschwerten Bedingungen den Schulbetrieb mit 400 Schülern am Laufen halten. Dabei hat der Mann mit 1400 Schülern und 105 Pädagogen in zwei Komplexen an fünf Standorten reichlich um die Ohren.

Das Ärgste haben der Schulchef, seine Siebt- bis Zehntklässer und ihre 35 Lehrer am neuen Standort Querkamp der Stadtteilschule Horn nach dreieinhalb Schulwochen nun hinter sich. Das Trinkwasser ist in fast allen Gebäuden keimfrei, inzwischen verfügt die Schul-Nebenstelle auch über einen funktionierenden Telefonanschluss.

Im Zuge der Schulreform war die Horner Schullandschaft neu strukturiert und die ehemalige Gesamtschule Horn in eine Primar- und eine Stadtteilschule gesplittet worden. Die Sekundarstufe I mit den Klassen 7 bis 10 wurde dem neuen Stadtteilschulstandort Querkamp in den Räumlichkeiten der leer stehenden Gebäude des ehemaligen Gymnasiums St. Georg zugeteilt. Ein Teil der Bauten ist seit Schuljahresanfang Lernort für 400 Stadtteilschüler und musste für diesen Zweck nach fünf Jahren Leerstand, Vandalismus- und Brandschäden für 2,5 Millionen Euro saniert, renoviert und umgebaut werden. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten Mitte August abgeschlossen sein.

Anfang des Schuljahres waren Eltern entsetzt. "Wir waren davon ausgegangen, dass zumindest die Grundarbeiten nach den Sommerferien fertig sind", sagt Alexandra Oeppert, Mutter einer Achtklässlerin. "Aber es war chaotisch. Die Kinder durften das Leitungswasser nicht trinken, es gab keine Mülleimer, Klassenräume waren nicht fertig, und als ich meine erkältete Tochter krankmelden wollte, konnte ich dort nicht einmal anrufen."

Inzwischen läuft der Schulbetrieb fast normal. Schüler und Lehrer warten noch auf die Entwarnung fürs Trinkwasser im Verwaltungs- und in zwei Schulgebäuden. Und es fehlen nach wie vor die modernen Smart- und Whiteboards in den Klassenzimmern. Auch die Arbeiten an den Sielen auf dem Gelände werden noch eine Weile dauern.

Nach den Herbstferien - da klopft Dieter Koch auf Holz - sollen sämtliche Arbeiten beendet sein. Alexandra Oeppert fragt sich allerdings, ob das Bauchaos zum Schuljahresbeginn nicht hätte verhindert werden können.

Steffen Schulze von der Schulabbau Hamburg koordiniert das Projekt Querkamp: "Wir liegen mit den Arbeiten exakt in der Zeit." Der Auftrag sei im Januar durch die Schulbehörde erteilt worden. Nach Planungen, Ausschreibungen und Vorbereitungen habe am 7. Juni mit den Arbeiten begonnen werden können. "Es war von vornherein klar, dass wir für die Masse der Aufgaben drei Monate brauchen würden."

Laut Finanzbehörde, der die Schulbau Hamburg zugeordnet ist, wäre für sämtliche Arbeiten eine reine Bauzeit von vier bis sechs Monaten erforderlich gewesen. "Zur Verfügung standen zwei. Insofern kann man mit dem zeitlichen Ablauf durchaus zufrieden sein", sagt Behördensprecher Daniel Stricker.

Wie geht es jetzt weiter? Derzeit werden die Wasserproben aus den Trinkwasserleitungen im Labor getestet. "Wir warten täglich auf die Freigabe", sagt Koch. "Und auf die Schultafeln." Dann ist Ruhe. Vorerst. Denn langfristig soll am Standort Querkamp eine eigenständige Stadtteilschule entstehen. Dazu müssen noch einige Gebäude modernen Häusern Platz machen. Dann ist der Zeitplan hoffentlich nicht so knapp. Für Dieter Koch steht heute schon fest: "Das wird hier mal eine richtig schöne Schule."