Charlotte-Paulsen-Gymnasium

Ein Mahnmal für die KZ-Gedenkstätte

Foto: Michael Rauhe

Gymnasiasten entwerfen Kunstwerke für die Erinnerung an Opfer des Naziregimes. Zwei Monate haben 25 Schüler an den Ideen gearbeitet.

Hamburg. Die beiden Dreiecke sind ineinander verkeilt, eine große Träne ragt aus der Mitte heraus, eine Metallkette hält alles zusammen. "Die Dreiecke erinnern an die Gefangenschaft", sagt Monique. "Sie sind verschlungen, weil die Gemeinschaft im KZ sehr groß war. "Die Träne drückt Trauer aus, die Kette verbindet die Schicksale miteinander", fügt Chiedza hinzu. Die beiden Zehnklässlerinnen erhalten Applaus von ihren Mitschülern. Ebenso Merve und Kerstin für ihr Modell mit zwei Zahnrädern, die Arbeit und Zusammenhalt symbolisieren, oder Joshua und Patrick für ihren Entwurf mit hochstrebenden Dreiecken.

Zwei Monate haben 25 Schüler des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums (CPG) an Ideen für ein besonderes Denkmal gearbeitet. Das Ergebnis: 15 etwa 25 Zentimeter hohe Kunstwerke. "Eine dieser wunderbaren Arbeiten wird meterhoch die Erinnerung an 500 Frauen wachhalten", sagt Barbara Hartje vom Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Die pensionierte Berufsschullehrerin hatte mit Bernhard Esser von der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme das Schülerprojekt initiiert.

500 Frauen waren zwischen 1944 und Kriegsende im Außenlager Drägerwerke des Konzentrationslagers Neuengamme in Wandsbek gefangen gehalten, gequält und zur Arbeit gezwungen worden. Manche wurden dort hingerichtet. Barbara Hartje und Bernhard Esser hatten sich jahrelang für einen würdigen Erinnerungsort für die Opfer des Naziregimes eingesetzt, der im Mai dieses Jahres unweit des Wandse-Wanderwegs eingeweiht wurde. Die CPG-Kunstschüler waren dabei und hatten Gelegenheit, mit dreien der heute über 80 Jahre alten Opfer zu sprechen.

Mit Dreiecken haben fast alle Schüler gearbeitet. Sie stehen für die Häftlingsdreiecke, die die Gefangenen auf ihrer Kleidung tragen mussten. In den meisten Entwürfen kommt die Kette vor - als Zeichen der Unfreiheit oder auch des Zusammenhalts. Die Kugel spielt eine Rolle - als Symbol für die Erde und somit für die Frau. Das hat die Schüler Alexander und Henrik auf eine außergewöhnliche Idee gebracht: Sie wollen als Sinnbild für das Leben einen Baum in die Mitte der Gedenkstätte pflanzen, der von einem zur Kugel geformten Stacheldrahtgitter gefangen gehalten wird. Alexander: "So, wie viele Häftlingsfrauen das KZ überstanden haben, werden es Äste schaffen, aus dem Gitter herauszuwachsen."

Der Gedenkort in unmittelbarer Nähe einer schmucken Reihenhaussiedlung hat nicht nur Freunde. Zwei Tage nach der Einweihung waren die auf Granitsteine montierten Glasplatten mit den Namen der Opfer abgeschraubt und weggeworfen worden. Kinder hatten die Schilder später im Gebüsch gefunden. Die Tafeln sind jetzt abschraubsicher angebracht.

Das Kunstwerk, das eine Jury aus den Entwürfen auswählen wird, muss also nicht nur Wind und Wetter trotzen, sondern auch möglichem Vandalismus standhalten. Daran haben alle Schüler gedacht: Sie wählten Materialien wie Beton und Edelstahl. Ende des Jahres soll der Siegerentwurf am Gedenkort maßstabsgerecht als Mahnmal realisiert werden. Noch fehlt das Geld für die Installation des Schülerkunstwerks. Dafür wollen Barbara Hartje und Bernhard Esser nun Spenden sammeln.