19. SchülerInnenforum

Schüler stellen sich hinter die Schulreform

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Hanna-Lotte Mikuteit

Foto: Patrick Piel

Bei einer Diskussion mit Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) forderten die Schüler unter anderem mehr Beteiligung.

Seit Monaten wird über die zukünftige Gestaltung der Schullandschaft gestritten, jetzt melden sich die Schüler zu Wort. Mehr als 170 Jugendliche diskutierten gestern auf dem 19. SchülerInnenforum im Landesinstitut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung (LI) über die Schulreform. Motto: Was wird aus uns?! Wir wollen endlich Schulfrieden! "Die hohe Beteiligung zeigt, wie groß das Interesse an dem Thema ist", sagte der Vorsitzende der Schülerkammer, Frederic Rupprecht. Nach der mehrstündigen Diskussion sehe sich die Schülerkammer in ihrer Unterstützung der Reformpläne bestätigt. "Der Grundtenor ist: Fortschritt ist besser als Stillstand", so Rupprecht.

Allerdings stellten die Schüler gestern auch Bedingungen. "Die Reform muss weiterentwickelt und evaluiert werden", sagte Rupprecht. Bei einer Diskussion mit Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) forderten die Schüler unter anderem mehr Beteiligung. "Die Reform kann nur erfolgreich werden, wenn auch Schüler bei der Umsetzung und der Evaluation dabei sind", sagte Julian Georg (17) vom Gymnasium Grootmoor in Bramfeld. Die Senatorin reagierte wohlwollend: "Das ist eine interessante Idee, die wir weiterdenken sollten." So könne sie sich vorstellen, Schüler in den Sonderausschuss der Bürgerschaft einzuladen.

Auch in einem anderen Punkt trafen die Schüler mit ihrer Kritik bei der Senatorin ins Schwarze: Die bisherige Informationspolitik über die Inhalte der Schulreform sei bei vielen Hamburgern nicht angekommen. "Wie wollen Sie das ändern?", lautet die provokative Frage. Goetsch übte Selbstkritik. "Das, was wir mit meinen Schulbriefen, Plakaten und Broschüren bislang gemacht haben, hat nicht gereicht." Schon bald solle deshalb eine Senatskampagne zum Volksentscheid starten, für die 200 000 Euro zur Verfügung stünden (siehe Text links auf dieser Seite). "Es wird noch mal richtig in die Vollen gegriffen", so die Ressortchefin. Dem Vorschlag, an jeder Schule einen Schulreform-Koordinator zu installieren, erteilte sie allerdings eine Absage. "Das ist Aufgabe der Schulleiter." Aber es gebe eine Anweisung, dass die Schulreform in allen Lehrerkonferenzen noch einmal vorgestellt werden solle. Außerdem werde es Info-Veranstaltungen in den Regionen geben. "30 Anmeldungen liegen schon vor."

Weitere Themen der Schüler waren, die Finanzierung der Reform, Lehrerqualifizierung und die Messbarkeit des Reformerfolgs. Die Forderung, für Gesamtschulen Sonderregelungen zuzulassen, um eine Teilung in Primar- und Stadtteilschulen zu verhindern, lehnte Goetsch ab. "Ich bin gegen Sonderregelungen." Sie betonte, dass die entstehenden Schulen weiter eng zusammenarbeiten könnten. "Da wird nichts kaputtgemacht."

Auch wenn gerade dieser Punkt bei vielen Schülern auf Kritik stößt, in der Aula des LI herrschte gestern so etwas wie Aufbruchstimmung. Man war weitgehend unter sich. Die Vertreter der reformkritischen Schülerunion waren zwar angemeldet, offenbar aber gar nicht erst gekommen. "Die Reform ist notwendig. Längeres gemeinsames Lernen und die Abschaffung des Sitzenbleibens sind richtig", sagte Manuel Muja (18) von der Gesamtschule Allermöhe. Auch Adrian Reiners (16) vom Christianeum in Othmarschen meinte: "Wir brauchen Verbesserungen." Allerdings sei die Reform nicht ausgereift. "Es gibt zu wenig Geld und zu wenig Lehrer." Der Zehntklässler ist einer der wenigen Reformbefürworter an seiner Schule. "Aber ich habe inzwischen auch meine Eltern überzeugt."

Er selbst wird wie die meisten nicht am Volksentscheid teilnehmen können. "Deshalb ist es umso wichtiger, dass alle Hamburger besser informiert werden", sagte Sarah Vagdy (17). Und so wurden gestern auch die ersten Pläne für Aktionen geschmiedet. "Wir wollen Info-Veranstaltungen an unserer Schule machen", sagte Pola Neuling (19) vom Helene-Lange-Gymnasium in Eimsbüttel. Schülerkammerchef Rupprecht kündigte eine breite Unterstützung für die Reform an. Unter anderem ist eine Demonstration geplant.

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