Verband Hamburger Schulleitungen schlägt Alarm

Reform: Schulleiter fühlen sich überlastet

Der Verband Hamburger Schulleitungen (VHS) schlägt Alarm: Direktoren, Rektoren und Abteilungsleiter fühlen sich angesichts immer neuer Aufgaben überlastet. Mit der Umsetzung der Schulreform kommt nun ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld hinzu. "Es reicht! Die Kollegen in den Schulen und insbesondere die Schulleitungen sind an der Grenze der Belastbarkeit angekommen", heißt es in einer Erklärung des VHS.

"Die Stimmung in den Schulleitersitzungen kippt. Es gibt großen Unmut", sagte Joachim Langemann, Leiter der Grundschule Bekassinenau in Rahlstedt. Der Unmut richte sich nicht inhaltlich gegen die Reform, sondern darauf, dass die Umsetzung seriös an den Schulen kaum mehr gewährleistet werden könne.

Ulrich Mumm, Schulleiter des Gymnasiums Allee in Altona, wies darauf hin, dass die Schulleitungen im Rahmen der selbst verwalteten Schule Lehrer jetzt selbst einstellen können. "Das ist pädagogisch sehr sinnvoll, aber zeitintensiv", so Mumm. Es müssten Ausschreibungen formuliert und Bewerbungsgespräche geführt werden.

Die Schulreform bedeute nun nicht nur für die Grund- und künftigen Primarschulen, sondern auch für Gymnasien und Stadtteilschulen erheblich mehr Organisationsaufwand. Unter anderem müsse die Abordnung von Gymnasiallehrern an die Primarschulen bewerkstelligt werden. "Wir sind gehalten, dies auf freiwilliger Basis umzusetzen. Bisweilen müssen wir aber noch Überzeugungsarbeit leisten", so Mumm. Primarschulen mit gesunkenen Anmeldezahlen müssten Lehrer aus ihren Kollegien abgeben, damit Platz für die Fachlehrer aus den weiterführenden Schulen geschaffen werde. "Schlecht ausgestattete Schulleitungen müssen Landeplätze für Gymnasiallehrer schaffen", fasste Mumm die Lage zusammen.

Vor völlig neuen Herausforderungen stehen Direktoren und Rektoren auch bei der Erstellung der Stundenpläne. "Wir müssen regional abgestimmte Stundenpläne aufstellen, die die Pendelzeiten der Lehrer einbeziehen", sagte Gudrun Wolters-Vogeler, Leiterin der Grundschule Lange Striepen in Hausbruch. Die Schule ist eine der sogenannten Starterschulen, die mit der Reform als Erste beginnen.

Trotz des Aufgabenzuwachses für die Schulleitungen sei die personelle Ausstattung nicht erhöht worden. Im Gegenteil: Eine Stunde Entlastung für alle Mitglieder von Schulleitungen, die die Schulbehörde vor drei Jahren gewährt hatte, soll laut VHS zum 1. August dieses Jahres wieder gestrichen werden.

Der VHS hält eine Aufstockung der Arbeitsstunden für die Schulleitungen um rund 25 Prozent für erforderlich. Eine Schule wie das Gymnasium Allee mit rund 750 Schülern kommt derzeit auf rund 60 Wochenarbeitsstunden für das gesamte Schulleitungsteam. Auch die Schulsekretariate müssten um rund ein Viertel personell aufgestockt werden. Die Schulbehörde reagierte nicht auf die Forderungen. Behördensprecherin Brigitte Köhnlein wies darauf hin, dass für heute ein Gespräch mit dem Verband angesetzt sei, das abgewartet werden solle.