Gesundheit Hamburg

Rudi Völler will Hamburger Kinder fit machen

Foto: Ingo Röhrbein

Der Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen: "Heute betreiben viele Jugendliche als einzige Sportart, den Zeigefinger auf der Maus zu bewegen".

Hamburg. Für Rudi Völler ist die Sache ein Herzensanliegen: "Heute betreiben viele Jugendliche als einzige Sportart, den Zeigefinger auf der Maus zu bewegen", ereifert sich der 49 Jahre alte Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen im Hamburger Rathaus. Er ist als Kinderbotschafter 2010 der AOK Rheinland/Hamburg hierher gekommen und stellt ein gemeinsames Projekt von AOK und Schulbehörde vor: "Fit durch die Schule". Das Ziel: Kinder wieder in Bewegung bringen - auch außerhalb der Sportstunden. So sollen Fitness und Gesundheit gefördert werden. Insgesamt 250 000 Euro stellt die AOK Rheinland/Hamburg für das Projekt in der Hansestadt zur Verfügung, zwei Jahre soll es erst einmal laufen, 22 Schulen wurden ausgewählt, daran teilzunehmen. Alle diese Schulen haben Projekte erarbeitet - die Kooperation mit örtlichen Sportvereinen etwa oder auch besondere Sportarten. So plant die Ganztagsgrundschule Ludwigstraße, ihr Angebot für Wasserball mit Grundschülern auszubauen. Jedes Projekt wird mit 1000 bis 5000 Euro gefördert, interessierte Schulen können sich noch bewerben.

Gemeinsam haben alle ausgewählten Projekte, dass sie auf Spaß und Freiwilligkeit abzielen. Völler, der für das Programm Pate steht, hält das für entscheidend. "Ich selbst hatte als Kind Sportlehrer, die nur unsinnige und langweilige Übungen mit uns gemacht haben", sagt er. "Heute ist der Sportunterricht besser - und nur wenn sie Spaß haben, bleiben Kinder auch dabei."

So wie er beim Fußball geblieben ist, weil ihm das Kicken als Kind schon so viel Spaß gemacht hat. "Wir hatten ja auch kein Internet, da sind wir nach der Schule eben raus und haben Sport getrieben", so Völler. Und Bildungssenatorin Christa Goetsch (GAL) erzählt, dass sie als Kind in München im Schwimmverein war. "Außerdem bin ich Rollschuh gelaufen. Ranzen in die Ecke, Rollschuhe an und los, so ging das."

Vielleicht kommen ja auch ein paar Hamburger Kinder durch "Fit durch die Schule" auf den Geschmack. Die jungen Artisten des Schulzirkus Willibald der Gesamtschule Wilhelmsburg jedenfalls sind bereits begeisterte Sportler. Virtuos führen sie ihr Können vor, wirbeln durchs Rathaus, springen Seil und balancieren Teller. Völler ist beeindruckt. "Hamburg ist ja ohnehin eine Sportstadt, das finde ich toll", sagt er und lacht: "Nur früher habe ich mich manchmal geärgert, wenn ich mit der Mannschaft nach Hamburg kam und im Stau stand, weil die Straßen mal wieder für einen Marathon gesperrt waren."