Mehran Harbehband

"DSDS"-Verlierer spielen Castingshow auf Kampnagel

Auf der Bühne spielen fünf Jugendliche. Sie proben ihre Theaterrolle. Doch die Rolle ist zugleich ihr wahres Leben.

Hamburg. Sieben Laienschauspieler hat Regisseurin Maria Magdalena Ludewig (27) für ihr neues Theaterprojekt "Stars United" auf Kampnagel gefunden. Sieben Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren, die einen gemeinsamen Traum teilen - den Traum vom Leben als Superstar.

Unter ihnen sind auch Mehran Harbehband (20) und Sandra Magdalena Szewdzyk (24). Mehran, dessen Eltern aus dem Iran und Afghanistan kommen, wünscht sich "diesen 'fame', dass jedes Mädchen dich unwiderstehlich findet". Mehran schreibt seit drei Jahren eigene Songs, bringt mit dem Label "chezz music" im Januar sein erstes Album auf den Markt - und will "dem deutschen Rap ein neues Gesicht abseits von Gewalt und Frauendiskriminierung geben".

Sandra Magdalena möchte "singen, so viel es geht", denn das hat ihr nach schwieriger Kindheit als polnische Migrantin Anerkennung und Selbstbewusstsein gebracht. Seit ihrem dritten Lebensjahr singt sie im Chor, in ihrer Jugend hatte sie zwei Jahre Gesangsunterricht, von ihrem Chorleiter wurde ihr Talent bescheinigt - bei der TV-Castingsendung "Popstars" 2003 schied sie dennoch, ebenso wie beim Konkurrenzformat "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) 2009, in der Vorrunde aus. "Ich passte nicht in das Raster", sagt die 24-Jährige, die nicht dem schlanken Schönheitsideal entspricht und dazu steht. Der Einsatz bei "DSDS" zahlt sich für sie trotzdem aus: Regisseurin Maria Magdalena Ludewig hatte sich bei dem Casting in Hamburg im September auf die Suche nach Schauspielern für ihr Theaterprojekt begeben - und ist dabei auf Sandra und Mehran gestoßen. Die beiden gingen unabhängig voneinander zum Casting für "Stars United", in dem auch der von RTL-Juror Dieter Bohlen geschmähte "DSDS"-Dauerverlierer Menderes und "Popstars"-Gewinnerin Tertia Both (Ex-Preluders) mitspielen. "Wir haben nicht auf Gesangstalent geachtet, sondern auf eine interessante Präsenz, einen hohen Stellenwert von Musik in ihrem Leben und die Lust, sich mit dem eigenen Traum auseinanderzusetzen." Fünf Minuten hatten die Kandidaten Zeit, um die Jury zu überzeugen. Fünf Minuten, in denen Mehran einem virtuellen Publikum seinen selbst geschriebenen Song "Hamburg war meine Heimat", in dem es um die Abschiebung seines besten Freundes geht, präsentierte. Sandra sang "The Climb" von Miley Cirus.

"Mehran, Speed-Level ein bisschen runterfahren, bitte", "bleibt sortiert" und "sei am Publikum dran", ruft Ludewig immer wieder in Richtung Bühne. Während der eineinhalbstündigen Probe hält die Regisseurin ihre junge Truppe zusammen, unterbricht, verbessert, lobt und klatscht. Seit Mitte Oktober probt das Team, seit Ende November sogar jeden Nachmittag mehrere Stunden, damit zur Premiere (heute, 19.30 Uhr) alles sitzt. Ihr besonderes Augenmerk gilt heute Mehran. Schließlich wird gerade eine Szene geprobt, die aus seinem Leben stammt. Neben seiner schulischen Ausbildung zum technischen Assistenten in Informatik jobbt Mehran bei einer TV-Produktionsgesellschaft als Caster. Er sucht und vermittelt Talente für Fernsehserien und möchte doch so gerne selbst entdeckt werden. "Jetzt filmen wir euch, um zu sehen, wie ihr vor der Kamera wirkt", sagt er in der Szene zu Xenia Padalka (16) und Julia Reschetnikow (16), die Teilnehmerinnen des Castings spielen - und wird dabei selbst kritisch von Ludewig beäugt.

Aber auch wenn es mit der ganz großen Karriere nicht klappen sollte, haben die beiden einen Plan B: Sandra Magdalena, die seit ihrem Abi 2005 zwei Jahre VWL und Jura studierte und momentan in einem Callcenter arbeitet, möchte Steuerfachangestellte werden. Mehran dagegen würde nach dem angestrebten Studium der Medienwissenschaften eine Produktionsgesellschaft gründen. "Wenn ich schon nicht selber im Fernsehen sein kann, möchte ich es leiten." Doch der große Traum bleibt - und wird mit der Teilnahme an "Stars United" mindestens für sieben Vorstellungen ein Stück Wirklichkeit.

Wiederholung: Freitag, 18., und Sonnabend, 19. Dezember, sowie Donnerstag, 7., bis Sonntag, , 10. Januar. Karten kosten zwischen fünf und 12 Euro.