Infoveranstaltung: Individuelle Förderung der Schüler

Stärkerer Zulauf für Internate

"Die Kinder schaffen den Stoff nicht mehr, die Eltern sind öfter beide berufstätig und können kaum noch bei den Hausaufgaben helfen", sagt Wolfgang Tumulka mit Sorge über die auf zwölf Jahre verkürzte Schulzeit.

Auf einer Veranstaltung der Euro-Internatsberatung im Hotel Le Royal Meridien informierte er gestern über die Vorteile der bundesweit 300 Internate, die dieses Problem lösen könnten. 20 Prozent mehr Internatsinteressenten gebe es in Hamburg seit der Verkürzung der Gymnasialzeit, schätzt Tumulka.

Als Vorzüge von Internaten nennt er die ganztägige individuelle Betreuung, die Stärken und Schwächen stärker berücksichtige, und das vielfältige außerschulische Freizeitangebot. Das Image von Erziehungsheimen hätten Internate hinter sich gelassen und dass die Kinder von ihren Eltern dorthin "abgeschoben" würden. "Auch sind längst nicht alle Internate elitär, sondern zum Teil mit Preisen ab 800 Euro im Monat günstiger als gedacht. Stipendien können bei der Finanzierung helfen", sagt Tumulka.

Auf ein Internat zu gehen bedeutet nicht zwingend, dort auch zu wohnen. "Wir wollen unser Kind täglich sehen und seine Entwicklung mitbekommen", betonen Agnes und Alexander Richter und nehmen dafür künftig täglich fast 100 Kilometer Fahrt in Kauf. Ihr siebenjähriger Sohn Ansgar sei hochbegabt, werde in seiner bisherigen Schule zu wenig gefördert und langweile sich. Der Hamburger Axel Schmidt-Dossi will seinen elfjährigen Sohn ebenfalls gern auf ein Internat schicken: "Ich halte die Verbindung von etwas strengerer Führung und gleichzeitig familiärem Umfeld in Internaten für ihn geeignet", sagt er.

Interessierten Eltern gibt Wolfgang Tumulka einige Tipps: "Wichtig ist, mit der Leitung, dem Lehrer und den Schülern zu sprechen und ein paar Nächte dort zu wohnen." Mindestens zwei oder drei Internate sollte man sich ansehen und die Kinder mit ihren potenziellen Mitschülern sprechen. Danach sei es wichtig Pro und Kontra aufzulisten, um ein Urteil fällen zu können. "80 Prozent der Kinder wollen nicht ins Internat. Aber von denen, die drin sind, will fast keines wieder raus".