Projekt: Besser Lernen durch dynamische Beleuchtung

Mehr Erfolg mit neuem Licht

Für vier Millionen Euro sollen 1000 Grundschulklassen in den Sommerferien mit den Spezial-Lampen ausgestattet werden.

"Blaulicht" hat für die Schüler der Klasse 4a an der Grundschule In der Alten Forst (Eißendorf) wenig mit Polizei zu tun. Die Schüler meinen vielmehr das bläulich schimmernde Licht der flachen Spezial-Leuchten, die an der Decke ihres Klassenzimmers angebracht sind. Je nach Bedarf lassen sich Helligkeit und Lichtfarbe per Fernbedienung verändern. "Blau finde ich am besten", sagt Julius Behn (10). "Dann werde ich im Unterricht nicht so leicht schläfrig." Seine Sitznachbarin Rieke Johannes (10) nickt: "Das macht wach, ich bin dann aufmerksamer."

Tatsächlich wirkt sich das sogenannte dynamische Licht positiv auf den Lernerfolg der Schüler aus. Das hat ein neunmonatiges, bisher weltweit einzigartiges Pilotprojekt bewiesen, an dem sich seit 2007 neben der Grundschule In der Alten Forst auch das Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium (Eimsbüttel) und die Schule am Eichtalpark (Wandsbek) beteiligt hatten. "Wir haben bei den 166 beteiligten Schülern im Alter von acht, zwölf, 16 und 18 Jahren leicht verminderte Aggressionswerte, weniger Unruhe und eine deutliche Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit und Lesegeschwindigkeit festgestellt", sagte Professor Michael Schulte-Markwort, Leiter der Studie und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Der Hamburger Senat hat daraufhin jetzt beschlossen, mit vier Millionen Euro aus Mitteln des Konjunkturprogramms die Hälfte aller Hamburger Grundschulklassen (etwa 1000 Klassen) in dynamischem Licht erscheinen zu lassen. Pro Klasse werden dazu zehn spezielle Lampen und eine Extra-Beleuchtung für die Tafel benötigt. Frank Schira, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion, die das Projekt initiiert hat: "Wir wollen dafür sorgen, dass noch mehr Kinder als bisher von dieser neuen Technologie profitieren." Falls die Schulkonferenz zustimmt, können sich Hamburger Grundschulen bei der Bildungsbehörde für die Umrüstung auf dynamisches Licht bewerben. Diese soll möglichst bereits in den Sommerferien erfolgen. "Dies ist auch ein Impuls für die Wirtschaft", sagte Handwerkskammer-Präsident Peter Becker. "Denn bei diesen Aufträgen können die Hamburger Handwerker den Vorteil der örtlichen Nähe voll ausspielen."

Die Erfahrungen mit dem dynamischen Licht seien durchweg positiv, sagt auch Andreas Wiedemann, Leiter der Grundschule in der Alten Forst. "Selbst Lehrerkollegen, die anfangs noch skeptisch waren, sind mittlerweile vom dynamischen Licht überzeugt. Denn wir sehen deutliche Verbesserungen im Unterricht." So hat sich die Lesegeschwindigkeit der Schüler um 34,8 Prozent gesteigert, sagt Professor Schulte-Markwort. Durchschnittlich 1051 Wörter lasen die Schüler in zehn Minuten - bei herkömmlicher Beleuchtung waren es 780 Wörter gewesen. Gleichzeitig habe sich die Fehlerhäufigkeit um fast 45 Prozent verringert. Machten Schüler bei herkömmlichem Licht durchschnittlich 17,45 Fehler, waren es bei dynamischem Licht nur neun Fehler. "Ich bin jetzt ein sehr glücklicher Wissenschaftler", sagte Schulte-Markwort. "Denn diese Ergebnisse sind überraschend und überzeugend zugleich."