Prozess Hamburg

Muss bekannter Hamburger Münzhändler ins Gefängnis?

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Der bekannte Hamburger Münzhändler Achim Becker (Archivbild).

Der bekannte Hamburger Münzhändler Achim Becker (Archivbild).

Foto: Andreas Laible / HA

Achim Becker, Chef des Unternehmens Emporium, steht wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor Gericht.

Hamburg. Er hat über Jahrzehnte seine Firma aufgebaut und gilt als einer der ganz Großen im Münzhandel. Jetzt könnte die Karriere des Geschäftsmanns Achim Becker, Chef des Unternehmens Emporium, eine dramatische Talfahrt erfahren. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der 74-Jährige für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Sechs Jahre und zehn Monate beantragte der Vertreter der Anklage im Prozess vor dem Landgericht gegen den Hamburger Unternehmer. Becker habe sich der Steuerhinterziehung in Höhe von gut 22,2 Millionen Euro schuldig gemacht.

Prozess Hamburg: Hinterzog Achim Becker Steuern in Millionenhöhe?

In dem Verfahren, in dem sich Becker gemeinsam mit dem früheren leitenden Mitarbeiter seiner Firma, Ulrich R. (47), sowie einem weiteren Angeklagten verantworten muss, geht es um eine mutmaßliche Steuerhinterziehung in der Zeit von März 2018 bis Juni 2020. Den drei Männern wird vorgeworfen, als Mitglieder einer Bande gegenüber den Finanzbehörden zu Unrecht Vorsteuerabzüge in Millionenhöhe geltend gemacht zu haben.

Dabei haben sie laut Anklage ein sogenanntes „Umsatzsteuer-Karussell“ mit Platinmünzen genutzt. Der Vorwurf an Becker lautet, er habe die Machenschaften erkannt oder zumindest damit gerechnet, dass die Münzen an einer Stelle in der Lieferantenkette nicht besteuert worden sind.

Achim Becker: "Ich war niemals Mitglied einer Bande"

Der Unternehmer hatte beteuert, er habe „weder absichtlich, noch mit Wissen und Wollen an einer Steuerhinterziehung“ teilgenommen. Er habe eine solche „auch nicht billigend in Kauf genommen. Ich wusste nicht, dass Emporium von anderen Personen möglicherweise zur Steuerhinterziehung missbraucht wurde. Ich war niemals Mitglied einer Bande.“

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sind die angeklagten Taten indes „vollständig nachgewiesen“. Becker habe bei den Platin- und Goldgeschäften eine „zentrale Rolle“ gehabt, so der Ankläger. Für die Mitangeklagten forderte er fünfeinhalb beziehungsweise fünf Jahre und zwei Monate Haft. Insgesamt sollen gut 22 Millionen Euro eingezogen werden.

„Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft“, kritisiert Otmar Kury, Verteidiger von Achim Becker, „war durch schwerste Rechtsfehler geprägt. Zu ihnen zählen eine inakzeptabel oberflächliche Beweiswürdigung und eine komplette Missachtung der Herrn Becker vollständig entlastenden Erkenntnisse der Beweisaufnahme.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

( bem )

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