Betrugsverdacht

Hamburger Jurastudentin fälscht Klausur – 1000 Euro Strafe

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Daniel Herder
Eine Jura-Studentin soll in Hamburg ihre Klausur gefälscht haben und muss nun 1000 Euro Strafe zahlen. (Symbolbild)

Eine Jura-Studentin soll in Hamburg ihre Klausur gefälscht haben und muss nun 1000 Euro Strafe zahlen. (Symbolbild)

Foto: dpa

Gericht: 31-jährige Angeklagte frisierte nachträglich ihre mit „mangelhaft“ benotete Arbeit. So flog der Schwindel auf.

Hamburg. Nicht bestanden, „mangelhaft“ – die Klausur in Zivilrecht war ein Schuss in den Ofen. Beide Prüfer vergaben nur einen Punkt. Doch weil Daniela C., damals noch Jurastudentin, die miese Note nicht hinnehmen wollte, frisierte sie nach Überzeugung des Amtsgerichts ihre Arbeit nachträglich. Dazu nahm sie, so das Gericht, am 19. April 2018 im Hamburger Justizprüfungsamt Einsicht in die verkorkste Klausur, tauschte drei der zehn beschriebenen Blätter mit neuen Inhalten aus und legte danach schriftlich Widerspruch gegen die Bewertung ein.

Doch der Schwindel flog auf, als beiden Prüfern die Klausur erneut vorgelegt wurde. Das Prüfungsamt erstattete darauf Anzeige. Am Dienstag beschäftigte sich das Amtsgericht Mitte mit dem Fall.

Bei der Überprüfung der Klausur sei ihm gleich aufgefallen, dass „etwas nicht stimmen konnte“, sagte der als Zeuge geladene Erstprüfer, ein Richter am Amtsgericht Wandsbek. So sei beispielsweise ein Satz aus der Klausur, den er als Zitat in sein Votum aufgenommen habe, in der ihm neu vorgelegten Version nicht mehr enthalten gewesen. Darauf habe er sich keinen Reim machen können, da er seine Anmerkungen bei der Durchsicht der Arbeiten stets direkt über eine Diktatsoftware einspreche.

Hamburger Jurastudentin fälscht Klausur und muss Strafe zahlen

Der Prüfer schaute genauer hin und entdeckte weitere Ungereimtheiten. „Blatt 2 und 3 waren nicht gefalzt und anders getackert als die übrigen Seiten“, so der Zeuge. Da sei ihm bewusst geworden, dass die Arbeit manipuliert worden sei – den Pfusch habe er natürlich nicht mit einer besseren Note belohnen wollen. Ähnlich berichtete es die Zweitprüferin im Zeugenstand, ebenfalls Richterin. Ihr fiel auf, dass die blaue Schriftfarbe der inkriminierten Seiten etwas heller war.

Nachdem die Korrektoren das gemeldet hatten, überprüfte das Justizprüfungsamt ältere Klausuren der Studentin und äußerte in mindestens drei weiteren Fällen einen Manipulationsverdacht. Die Angeklagte, die gegen einen Strafbefehl in der Sache Einspruch eingelegt hatte, schwieg am Dienstag zu den Vorwürfen.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat die 31-Jährige eine Urkunde verfälscht und von ihr Gebrauch gemacht – ein Vorgehen, das für eine „gewisse kriminelle Energie“ spreche. Aus Sicht des Verteidigers hat sich Daniela C. aber gar nicht strafbar gemacht, da es sich bei der Klausur um keine Urkunde im Sinne der Strafnorm handele. Zudem sei gar nicht bewiesen, dass die Seiten ausgetauscht worden seien. Sie sei daher freizusprechen. Den Richter überzeugte das nicht – er verurteilte die 31-Jährige, die nach eigenen Angaben weiterhin studiert, zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. Ihr Verteidiger kündigte Berufung an.

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