27 Milliarden Euro Einnahmen

Schmuggel, Schwarzarbeit & Co. – Hamburger Zoll zieht Bilanz

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Jahresbilanz des Hamburger Zolls: Die Mitarbeiter entdeckten 2020 mehr als eine Million Plagiate.

Jahresbilanz des Hamburger Zolls: Die Mitarbeiter entdeckten 2020 mehr als eine Million Plagiate.

Foto: Hauptzollamt Hamburg

Wegen Corona sind die Zahlen rückläufig – dennoch nahm der Zoll rund 27 Milliarden Euro ein. Ergebnisse vom Flughafen Hamburg.

Hamburg. Sie kommen Markenfälschern auf die Schliche, stellen Plagiate im Hamburger Hafen sicher, gehen gegen Schwarzarbeit vor, legen Schmugglern am Flughafen das Handwerk: die Mitarbeiter des Hamburger Zolls. Am Dienstag stellten Michael Schrader, Vize-Leiter des Hauptzollamts Hamburg, und Francesca Ramus, Leiterin des Hauptzollamts Itzehoe – zuständig für den Zoll am Flughafen Hamburg – die Jahresbilanz für das Jahr 2020 vor. Das Ergebnis: Der Hamburger Zoll nahm rund 27 Milliarden Euro ein.

„Die Stadt Hamburg mit dem Hafen ist und bleibt von großer Bedeutung für den Zoll“, sagte Schrader. „Sei es die Logistik-, Handels- oder Industriebranche. In allen Bereichen hat der Zoll auch 2020 gut mit den Beteiligten zusammengearbeitet. Wir sorgen weiterhin für einen fairen Wettbewerb in der Stadt und setzen uns täglich für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger ein.“

Hamburger Zoll hebt Einnahmen der Energiesteuer hervor

Coronabedingt seien die Zoll-Zahlen rückläufig. Schrader: "Jedoch sind immer noch knapp 27 Milliarden Euro im letzten Jahr für den Bundeshaushalt und die Europäische Union zu verbuchen gewesen." Das Hauptzollamt wird mit 26,3 Milliarden Euro genannt, das Zollamt Flughafen mit 0,7 Milliarden Euro. Dieser Betrag entspricht etwas mehr als einem Fünftel der Einnahmen der gesamten Zollverwaltung.

Der Zoll hob die Einnahmen der Energiesteuer mit 14,5 Milliarden Euro und die Einfuhrumsatzsteuer mit rund zehn Milliarden Euro hervor. Zudem stellen die vom Hauptzollamt Hamburg eingenommenen 15,5 Milliarden Euro an Energie- und Genussmittelsteuern fast ein Viertel der bundesweit erzielten Verbrauchsteuern für den Bundeshaushalt dar.

Hamburger Zoll entdeckte mehr als eine Million Fälschungen

„Die rund 2100 Beschäftigten des Hauptzollamtes Hamburg sowie die knapp 160 Zöllnerinnen und Zöllner des Flughafens sind ein wichtiger Bestandteil zum Schutze der Wirtschaft der Europäischen Union“, betonten Ramus und Schrader. Im Mittelpunkt der Arbeit der Zöllner: die Abfertigung von Waren. Speziell im Bereich der Marken- und Produktpiraterie komme es bei der Warenabfertigung im Hafen und der Postabfertigung weiterhin zu sehr vielen Sicherstellungen, hieß es vonseiten des Zolls. "Die Marken- und Produktpiraterie ist ein Hemmschuh für fairen Wettbewerb und neue Arbeitsplätze."

Der Großteil der Plagiate wird in Drittländern produziert. Von dort aus versuchen die Fälscher ihre Produkte über die EU-Außengrenzen auf den europäischen Markt zu liefern. "Insgesamt konnten etwas mehr als eine Million Fälschungen mit einem Wert von rund 30 Millionen Euro aufgefunden werden", heißt es in der aktuellen Mitteilung. Die Plagiate, die der Hamburger Zoll 2020 sicherstellte, zeigen, dass nahezu alle Warenkategorien betroffen sind.

Zoll im Kampf gegen Schwarzarbeit – Millionen-Schadenssumme

„Es gibt scheinbar immer etwas, was sich zu fälschen lohnt“, so Schrader. Er wies zudem darauf hin, dass auch die Bekämpfung der internationalen Rauschgiftkriminalität, des Schmuggels hochsteuerbarer Waren und der verbotenen Waffen nach wie vor große Themen seien – die Hamburger Zöllner verzeichneten im Jahr 2020 bei den Kontrollen mehr als 2900 Beanstandungen. "Die Sicherstellungen umfassten nahezu alle Bereiche von Betäubungs- und Arzneimittel über Tabakwaren, Waffen, Geldmittel bis hin zu Artenschutz und Produktsicherheit", teilte der Zoll mit.

Auch 2020 ging das Hauptzollamt Hamburg gegen Schwarzarbeit vor. Es überprüfte Betriebe von knapp 1300 Arbeitgebern. Das wiederum führte zu mehr als 2000 Strafverfahren und fast 500 Bußgeldverfahren. Die Schadenssumme: 9,7 Millionen Euro.

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Michael Schrader: „Viele meinen, ein paar Euro an der Steuer vorbei sei ein Kavaliersdelikt. Doch Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung sind ein Problem für Fiskus und Sozialversicherung, aber auch für Unternehmen. Schwarzarbeit ist Wirtschaftskriminalität."

Zoll am Flughafen: Rund 103.000 Schmuggel-Zigaretten

Verstöße stellte der Zoll zudem am Flughafen Hamburg fest, wo er für die Abfertigung von Luftfrachtsendungen, für die Abfertigung der von Reisenden mitgeführten Waren sowie für die Überwachung und Kontrolle des Warenverkehrs aus Staaten, die nicht zur europäischen Union gehören, zuständig ist. Mit 264 Aufgriffen von mehr als 21 Millionen Artikeln war Produktsicherheit einer der Arbeitsschwerpunkte der Beschäftigten des Zollamts Hamburg-Flughafen.

Obwohl es wegen der Corona-Pandemie zu geringerem Luftverkehr kam, versuchten dennoch diverse Reisende auch im Jahr 2020, Waren zu schmuggeln. Laut Zoll wurden knapp 22.000 Personen und fast 119.000 Objekte kontrolliert. „Es gab dabei fast 1400 Beanstandungen“, so Tilman Lewitz, Leiter des Zollamtes. Die Mitarbeiter entdeckten rund 103.000 Zigaretten und knapp 8700 Stück Arzneimittel. Sogenannte nicht angemeldete Zahlungsmittel konnten in einer Größenordnung von rund 555.000 Euro festgestellt werden.

( coe )

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