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Polizei verbannt Autoposer vom Fischmarkt – Umbau geplant?

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Franziska Coesfeld
Hamburg: Auf dem Fischmarkt rund um die Fischauktionshalle sorgen Autoposer seit einiger Zeit für Probleme (Archivbild).

Hamburg: Auf dem Fischmarkt rund um die Fischauktionshalle sorgen Autoposer seit einiger Zeit für Probleme (Archivbild).

Foto: Andreas Laible

Anwohner sind genervt von den Ruhestörungen. Nun hat die Polizei durchgegriffen. Hamburger Staranwalt interpretiert Vorgehen falsch.

Hamburg. Sie treffen sich, um ihre häufig getunten Wagen zu präsentieren, lassen Motoren aufheulen, drücken grundlos auf die Hupe und sorgen für erhebliche Lärmbelästigung: Autoposer, die sich in Hamburg laut Polizei gerne auf dem Fischmarkt rund um die Fischauktionshalle treffen. Am Wochenende hat die Polizei den öffentlichen Parkplatz gesperrt, um die Autoposer zu verbannen. Doch dieses Vorgehen wurde zum Teil falsch interpretiert.

Der Hamburger Staranwalt Gerhard Strate echauffierte sich am Sonntag bei Facebook über die Absperrung. Er habe die Einfahrt zu dem großen Parkplatz seit vielen Monaten während seiner "Corona-Rundfahrten" immer durchfahren – "um einen Blick auf das Dock zehn und das Dock elf zu nehmen und den Hafen zu betrachten", schreibt er in dem Post. "Neben uns standen auch immer einige andere Autos. Für die Polizei wurden es in den letzten Wochen zu viele Autos."

Fischmarkt: Parkplatzsperrung hat nichts mit Corona zu tun

Die Abstandsregeln müssten überall eingehalten werden. "Und wenn die Polizei meint, dass das nicht der Fall sei, wird einfach ein riesiger Parkplatz, der den Menschen dieser Stadt gehört, geschlossen", so Strate. Das Ende seines Beitrags lautet: "Wir müssen uns wehren!" Die "Mopo" hatte zuerst über Strates Facebook-Post berichtet.

Was Strate nicht berücksichtigt hat: Die Absperrung hat nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. Nach Angaben der Polizei bereiten die Autoposer auf dem Fischmarkt bereits seit Ende Januar Probleme. Schon damals war eine Ruhestörung durch Hupen und Geschrei gemeldet worden. "Bei einer entsprechenden Überprüfung wurden dort insgesamt 20 Personen festgestellt, teilweise in Autos sitzend, teilweise um Autos herum stehend", sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth am Dienstag.

Autoposer verstießen nicht gegen Eindämmungsverordnung

"Es handelte sich dabei maximal um Zweiergruppen, Verstöße gegen die seinerzeit geltende Eindämmungsverordnung wurden jedenfalls nicht festgestellt." Allen Personen wurden Platzverweise erteilt.

Doch es blieb nicht bei einer Einzelbeschwerde. Immer wieder fielen den Beamten vor Ort hochwertige, leistungsstarke Fahrzeuge auf, die der sogenannten „Autoposer“-Szene zuzurechnen waren. "Es wurden neben Ruhestörungen insbesondere auch Fahrverhaltensweisen wahrgenommen, die ein gehöriges Gefährdungspotential, auch für Unbeteiligte, in sich bargen", so Abbenseth. " Eine sich verdichtende Hinweislage vonseiten der Anwohner auf Fahrzeuge, die dort hupend und mit hohen Drehzahlen offenbar unsinnig herumfahren, verstärkte diesen Eindruck."

Bis zu 140 Wagen aus der Autoposer-Szene am Wochenende

Demnach kam es zu einer massiven Beschwerdelage. Laut Polizei werden in den Wochenendnächten dort regelmäßig zwischen 80 und 140 Fahrzeuge aus der Autoposer-Szene festgestellt. Abbenseth: "Aus Gesprächen der Beamten mit Anwesenden ging hervor, dass man sich über die sozialen Medien gezielt zu diesen Treffen verabrede." Verstöße gegen die Eindämmungsverordnung würden dort im Übrigen kaum festgestellt.

Um die Autoposer vom Fischmarkt zu verbannen, hat die Polizei den öffentlichen Parkplatz am Wochenende temporär gesperrt. Eine Maßnahme, die für den Moment erfolgreich war – aber auf lange Sicht muss offenbar eine andere Lösung her. Auch ein Umbau wir demnach in Betracht gezogen.

Bauliche Veränderung auf dem Fischmarkt wird diskutiert

"Die Polizei wird zusammen mit den unterschiedlichen Verantwortlichen dieser Fläche – augenblicklich federführend durch das Bezirksamt Altona – darüber diskutieren, wie schnellstmöglich eine bauliche Situation hergestellt werden kann, die nicht nur eine größtmögliche Bewegungsfreiheit für die unterschiedlichen Bedarfsträger beinhaltet, sondern die auch den Interessen der Beschwerdeführer gerecht wird", so Abbenseth.

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Altonas Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) äußerte sich bereits auf Facebook und kommentierte den Beitrag von Gerhard Strate. "Lieber Herr Strate, meine Recherche hat ergeben, dass die Polizei den Fischmarkt wegen der nächtlichen Autoposer-Szene gesperrt hat, es hat nichts mit Corona zu tun", schreibt sie in ihrem Kommentar.

Altonas Bezirksamtschefin: Gleiche Problem in Blankenese

"Uns erreichen hier im Bezirksamt seit Wochen Beschwerden der Anwohner*innen, die nicht mehr in den Schlaf finden", so die Bezirksamtsleiterin. Die Polizei habe das gleiche Beschwerdeaufkommen. "Daher wurde dem Autoposen jetzt kurzfristig ein Riegel vorgeschoben", so von Berg. Nichtsdestotrotz müsse es zu einer langfristigen Klärung kommen, wie man mit dem Fehlverhalten Einzelner umgehe. "Daher haben wir um Unterstützung der Soko Autoposer gebeten." Die Bezirksamtschefin wies zudem darauf hin, dass es in Blankenese das gleiche Problem gebe.

Auch Mike Schlink, Sprecher des Bezirksamts Altona, wies auf Anfrage des Abendblatts darauf hin, dass die irreguläre Nutzungen der Flächen rund um die Fischauktionshalle nicht auf bauliche oder planerische Mängel zurückzuführen sei – sondern auf individuelles Fehlverhalten von einzelnen Verkehrsteilnehmern.

Eine Beschlussempfehlung des Amtes für die Bezirksversammlung am Donnerstag beinhalte unter anderem, dass kurzfristig schließbare Pollern aufgestellt werden. Diese sollen verhindern, dass Autoposer den Fischmarkt über die jeweils verpachteten Stellplatzflächen befahren. "Dazu bedarf es nun der Zustimmung durch die Bezirksversammlung“, sagte Schlink.

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