Verwirrung im Prozess

Angriff vor Blauer Moschee: Was ist wirklich passiert?

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Finn Haberkost
Der Tatort: die Blaue Moschee an der Schönen Aussicht.

Der Tatort: die Blaue Moschee an der Schönen Aussicht.

Foto: M. Hernandez

Zeugen machen widersprüchliche Aussagen im Prozess beim Hamburger Amtsgericht St. Georg. Nun wird eine weitere Zeugin geladen.

Hamburg. Weil er einen Mann vor der Blauen Moschee geschlagen haben soll, steht seit Donnerstag ein 56-Jähriger vor dem Amtsgericht St. Georg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mitarbeiter der Moschee auf der Uhlenhorst vorsätzliche Körperverletzung vor.

Zu den Schlägen gegen Gesicht und Körper des mutmaßlichen Opfers soll es am Nachmittag des 17. April 2020 gekommen sein, nach einem kurzen Streitgespräch zwischen den beiden Männern. Auch nachdem der Geschädigte zu Boden fiel, so die Anklage, habe Mohammad D. weiter auf ihn eingeschlagen.

Angeklagter wurde vom Geschädigten vor Blauer Moschee bedroht

Nach Aussage des Angeklagten waren der Tat politisch motivierte Beschimpfungen durch den Geschädigten vorausgegangen, dieser habe versucht, eine Flagge am Zaun der Moschee anzubringen. Mohammad D. erklärte weiter, der ältere Mann habe Gewalttaten gegen ihn und seine Familie angedroht und geplant, in das Moscheegebäude einzudringen.

Infolgedessen sei es zu einer Rangelei vor den Toren der Moschee gekommen. Dabei habe der Mann mehrfach mit einem harten Gegenstand auf ihn eingeschlagen, so der Angeklagte. Tatsächlich belegen Fotos eine leichte Blutung an Mohammad D.’s Ohr.

Geschädigter fehlte unentschuldigt bei Gericht

Verhandelt wurde in Abwesenheit des Geschädigten – er fehlte unentschuldigt. Mehrere Zeugen bestätigten, dass es zu einer Rangelei zwischen dem Angeklagten und dem anderen Mann gekommen war. Der Zeuge Amir G. sagte, dass der spätere Geschädigte den Angeklagten zunächst beschimpft habe – von einer körperlichen Auseinandersetzung habe er aber nichts Genaues mitbekommen, da er sich vom Tatort entfernt habe, um die Polizei zu alarmieren.

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Anders berichtete es der Zeuge Sven S. Der 53-Jährige sagte, er habe von seiner Terrasse aus beobachtet, wie ein „kleiner, schmächtiger Kerl“ vor dem Zaun der Moschee geschrien und gestikuliert habe. Anschließend sei ein „extrem kräftiger Mann mit Haarkranz“ aus der Moschee gekommen und habe dem Mann mehrmals ins Gesicht geschlagen. Daraufhin habe er die Polizei gerufen und sei auf die Straße gelaufen.

Zeugenaussagen widersprechen sich, weitere Zeugin soll nun aussagen

Dort habe der Kräftige weiter auf den am Boden liegenden Mann eingeschlagen. Gestützt wird diese Schilderung von einer weiteren Zeugin. Sie schloss allerdings aus, dass es sich bei dem Schläger um den Angeklagten gehandelt habe: Der Angreifer, so die Zeugin, ähnelte mehr dem Opfer.

Um aufzuklären, was vor der Blauen Moschee geschah, soll eine weitere Zeugin zu einem zweiten Verhandlungstermin geladen werden. Das vermeintliche Opfer soll dann zum Prozess vorgeführt werden, so das Gericht. Die Verhandlung wird am 2. März fortgesetzt.

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