eBay Kleinanzeigen

Eine PlayStation 5 für 900 Euro? Schnäppchen!

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Drei, zwei, eins - Geld futsch. Immer häufiger kommt es bei Verkäufen über Kleinanzeigen-Portale zu Betrugsversuchen, warnt die Polizei Hamburg (Symbolbild).

Drei, zwei, eins - Geld futsch. Immer häufiger kommt es bei Verkäufen über Kleinanzeigen-Portale zu Betrugsversuchen, warnt die Polizei Hamburg (Symbolbild).

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Die Fälle von Online-Betrug bei eBay Kleinanzeigen häufen sich - in zwei Fällen ging der kriminelle Plan allerdings überhaupt nicht auf.

Hamburg. Auch Hamburgs Kriminelle "leiden" unter dem Lockdown und versuchen sich an neuen Varianten, illegal zu Geld zu kommen. Derzeit beobachtet die Polizei eine Häufung von Delikten bei eBay Kleinanzeigen und warnt Verbraucher deswegen vor Betrügern.

Speziell bei Angeboten der viel gefragten, aber selten gesehenen PlayStation 5 (rund 40 Fälle seit Ende November) und bei aktuellen iPhone-Modellen (30 Fälle) sind unter den vermeintlichen Interessenten gern auch Kriminelle – häufig setzen diese auf ein ähnliches Vorgehen wie im ersten im folgenden geschilderten Fall und versuchen, andere arglose Nutzer dazu zu bringen, an ihrer Stelle zu bezahlen. Oder aber sie stornieren eine gerade getätigte Zahlung einfach wieder – wie es der Betrüger im zweiten Fall wohl vorhatte.

Betrüger betrügt Betrüger – eine Farce in sieben Phasen

Ein plietscher 18-jähriger Hamburger hat dafür gesorgt, dass ein Online-Betrüger nicht nur von der Polizei vorläufig festgenommen wurde, sondern den Mann auch gleich noch dem hämischen Gelächter seines "Berufsstands" ausgesetzt. Denn der 27-Jährige, der eigentlich den Teenager übers Ohr hauen wollte, ging bei eBay Kleinanzeigen selbst einem bisher unbekannten Betrüger auf den Leim. Klingt kompliziert, ist aber relativ schnell erklärt:

  • Legale Phase eins: Ein Teenager will seinen alten Laptop loswerden und stellt ihn bei eBay Kleinanzeigen zum Verkauf für 330 Euro ein.
  • Vermeintlich legale Phase zwei: Potenzieller Käufer meldet sich, bietet an, das gute Stück schon vorher via PayPal zu bezahlen, dann würde er ihn abholen. Man ahnt es bereits, so ganz koscher ist das Angebot nicht.
  • Illegale Phase drei: Der Laptop-Interessent erstellt eine eigene Kleinanzeige, in der er eine gebrauchte Spielkonsole anbietet – für 330 Euro, Bezahlung bevorzugt per PayPal... Weder besitzt der 27-Jährige Betrüger A das Gerät, noch hat er vor, irgendetwas irgendwo hin zu schicken. Stattdessen soll ein gutgläubiger Käufer den Laptop bezahlen, ohne das zu merken und ohne irgendeinen Gegenwert für sein Geld zu bekommen.
  • Vermeintlich legale Phase vier: Ein Interessent meldet sich bei Betrüger A: Ins Ausland möge er die Daddelkiste versenden, ja, klar, PayPal sei kein Problem. Der Kenner ahnt: Auch an diesem Angebot ist irgendetwas faul.
  • Doppelt illegale Phase fünf: Der angebliche Spielkonsolen-Verkäufer (Betrüger A) gibt die Daten des tatsächlichen Laptop-Verkäufers an. Der angebliche Spielkonsolen-Käufer (Betrüger B) fingiert eine Zahlung, der gefälschte Beleg dafür landet beim 18-Jährigen.
  • Für-wie-doof-hältst-du-mich-Phase sechs: Der Teenager ist – wie gesagt – ein plietsches Kerlchen. Ihm fällt auf, dass etwas mit der Zahlung von Betrüger B nicht stimmt, und er verständigt die Polizei. Die Ermittler bitten ihn, trotzdem einen Übergabetermin zu vereinbaren.
  • Verbrechen-lohnt-sich-nicht-Phase sieben: Betrüger A taucht auf, um den Laptop in Empfang zu nehmen. Statt eines Rechners erwartet ihn eine vorläufige Festnahme – nicht, weil sein eigener Betrug aufgeflogen wäre, sondern weil er selbst Opfer des bisher unbekannten Betrügers B geworden war.

Eine PlayStation 5 für 900 Euro? Kauf ich!

Nur wenige Tage später der nächste Fall, der nicht ganz so lief wie geplant – aus Sicht des Betrügers: Ein 23-Jähriger Hamburger hatte beschlossen, mit seiner PlayStation 5 ein gutes Geschäft zu machen: Er bot die seit der Markteinführung im November mehr oder minder durchgängig vergriffene Spielkonsole für fast das Doppelte des Originalpreises an. Tatsächlich ging jemand auf das "günstige" Angebot ein und willigte ein, die Konsole für 900 Euro zu kaufen – Bezahlung per PayPal, versteht sich.

Beim Aufeinandertreffen am vereinbarten Übergabeort fiel dem Verkäufer auf, dass er sein Gegenüber schon einmal gesehen hatte: bei einem anderen eBay-Kleinanzeigen-Geschäft, das ebenfalls nicht so lief wie geplant. Also rief er die Polizei. Bis die Beamten eintrafen, hielten der Vorzeigekapitalist und seine Freunde den 22 Jahre alten Hamburger fest.

Bei der Durchsuchung des jungen Mannes und seines Zimmers in der Wohnung der Eltern traten dann auch noch größere Mengen Bargeld und kleinere Mengen Marihuana und verschreibungspflichtige Medikamente zu Tage.

Waren online verkaufen – welche Tipps die Polizei hat

Niemals solle man sich auf die Nutzung der Bezahlungsoption "Geld an Freunde und Familie senden" einlassen – dabei gibt es weder einen Käufer- noch einen Verkäuferschutz, warnt die Polizei. Ja, PayPal nimmt Gebühren für den Verkauf an fremde Menschen – und wer derzeit eine nirgendwo sonst erhältliche PlayStation 5 per Kleinanzeige verkauft, der hat es definitiv auf Gewinnmaximierung angelegt. Der geschmälerte Umsatz wird aber dadurch aufgewogen, dass man überhaupt Geld bekommt.

Auch bei der persönlichen Übergabe der Ware, darauf weist die Polizei hin, greift der Verkäuferschutz nicht. Wenn Sie einen Verkauf mit persönlicher Übergabe vereinbaren, sollten Sie auf Barzahlung oder Vorkasse per klassischer Überweisung bestehen. Auch spräche nichts dagegen, so die Beamten, sich bei der Übergabe den Ausweis des Käufers zeigen zu lassen, um sicherzustellen, dass man die Ware tatsächlich an denjenigen übergibt, der sie bezahlt hat.

Damit wäre auch Betrüger A aus dem aktuellen Fall oben in größere Erklärungsnöte geraten.

( josi )

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