Hamburg

Radfahrer beim Abbiegen von Lkw getötet – Bewährungsstrafe

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Bettina Mittelacher
Ein Lkw begräbt ein Fahrrad unter dem Reifen (Symbolbild).

Ein Lkw begräbt ein Fahrrad unter dem Reifen (Symbolbild).

Foto: Michael Arning

Im Prozess um einen tödlichen Abbiege-Unfall in Hamburg-Stellingen hat das Amtsgericht einen Lkw-Fahrer verurteilt.

Hamburg. „Was für ein Leben?“ Xhevahire P. hat ihren Mann verloren, ihre Kinder haben keinen Vater mehr. Und die ganze Familie muss ohne Ernährer auskommen. Und so fragt die 46-Jährige aus Hamburg ganz erstaunt, was die Richterin im Prozess vor dem Amtsgericht denn meint, als sie sich nach dem Leben der Familie nach dem Unfalltod von Ardian P. erkundigt. Mit tränenerstickter Stimme hat die Witwe in der Verhandlung dargelegt, was am 19. März vergangenen Jahres geschehen ist: „Mein Mann ist mit dem Radlosgefahren. Und er ist nicht mehr zurückgekehrt.“

Verschuldet hat das Lkw-Fahrer Sertac I., der beim Rechtsabbiegen an der Ampelkreuzung Holstenkamp/Große Bahnstraße mit seinem Lastwagen den 46 Jahre alten Radfahrer touchierte, so- dass Ardian P. mit seinem Mountainbike unter den Zwölftonner geriet und überrollt wurde. Das Opfer starb an der Unglücksstelle. Jetzt wurde der Unfallfahrer vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Als Bewährungsauflage muss der 39-Jährige 3000 Euro an die Familie des Opfers zahlen.

Radfahrer getötet: Lkw-Fahrer ist der Polizei bekannt

Wie schnell es geschehen kann, dass ein Mensch im Straßenverkehr schwer verletzt wird oder sogar stirbt, hat der Angeklagte Sertac I. schon früher erlebt: Im Jahr 1999 verursachte er einen Unfall, bei dem sein Beifahrer umkam, drei Jahre später verschuldete er eine Kollision, bei der eine Radfahrerin beim Rechtsabbiegen verletzt wurde. Danach wurde er unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt. Seit zwei Jahren ist er Berufskraftfahrer.

Er habe, bevor er am 19. März 2019 rechts abbog, sorgfältig in die Außenspiegel geguckt und Radfahrer Ardian P. trotzdem nicht gesehen, hatte der Angeklagte im Prozess beteuert. Bei der Familie des Opfers entschuldigte er sich für deren Leid. Ein Sachverständiger hatte ausgeführt, dass Sertac I. den Mann auf dem Mountainbike hätte sehen können, wenn er rechtzeitig in die Spiegel geblickt hätte.

Und so urteilt schließlich auch die Amtsrichterin, die mit ihrer Entscheidung dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgt. „Entscheidend war, dass Sie den Radfahrer hätten sehen können und sehen müssen“, sagte die Richterin zum Angeklagten. „Es war eine Sache von Sekunden, die über Leben und Tod entschieden hat. Ein Menschenleben wurde durch eine Unachtsamkeit ausgelöscht.“

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